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Regionalwahl in Frankreich

Front National ausgebremst

von Nikos Tzermias / 14.12.2015

In der zweiten Runde der französischen Regionalwahlen sichert sich die bürgerliche Mitte-Rechts-Opposition mehr Regionen als die Sozialisten. Der ultranationalistische Front National geht leer aus.

Die zweite Runde der französischen Regionalwahlen ging für die etablierten Parteien am Sonntag glimpflich aus, nachdem der Sieg des Front National in der ersten Runde Schockwellen ausgelöst hatte. Die vom früheren Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy angeführte bürgerliche Mitte-Rechts-Opposition holte laut Hochrechnungen sieben der dreizehn Regionen, die seit 2010 fast ausschließlich von den Sozialisten regiert worden waren. Diese sicherten sich noch fünf Regionen. In Korsika setzten sich die dortigen Nationalisten durch.

Sieg für Sarkozy

Die Ablehnung des FN durch die Wähler fiel klarer als erwartet aus, was zum Teil auch der von rund 50 auf 60 Prozent erhöhten Stimmbeteiligung zu danken war. Den Ultranationalisten waren nach dem ersten Wahlgang Erfolgschancen in einer bis drei Regionen eingeräumt worden. Parteichefin Marine Le Pen tröstete sich am Sonntagabend damit, dass ihre Formation die führende Oppositionskraft in den Regionalräten sein werde. Zudem hielt sie polemisch fest, dass sich nicht eine dreigeteilte politische Landschaft abgezeichnet habe, sondern ein Zweiparteiensystem, mit den Globalisierern auf der einen und den Patrioten auf der anderen Seite.

Premierminister Manuel Valls meinte, es gebe noch keinen Anlass zu Erleichterung oder zum Triumphieren. Valls hatte am Freitag vor der Gefahr gewarnt, dass der FN das Land in einen Bürgerkrieg treiben könnte. Oppositionsführer Sarkozy, dessen Erwartungen auf einen Sieg in den meisten Regionen nicht ganz erfüllt wurden, erklärte, dass der erste Wahlgang ein ernstzunehmender Denkzettel gewesen sei. Die französische Bevölkerung erwarte starke Antworten zu den wichtigen Themen Europa, Arbeitslosigkeit und Sicherheit.

Front-National-Chefin Marine Le Pen verlor in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie mit einem Stimmenanteil von rund 42 Prozent deutlich gegen Xavier Bertrand. Der bürgerlich-konservative Politiker erhielt 58 Prozent. Ähnlich klar unterlag in der südöstlichen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur die Nichte der Parteichefin, Marion Maréchal-Le Pen; sie verlor gegen den konservativen Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi.

Achtungserfolg im Osten

Die Niederlage des Front National in den beiden Regionen war allerdings insofern stark zu relativieren, als die Sozialisten ihre Listen dort zugunsten der Mitte-Rechts-Opposition zurückgezogen hatten. Umso bemerkenswerter war der Sieg des bürgerlich-konservativen Kandidaten Philipe Richert in der großen östlichen Region Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine, wo sich der sozialistische Kandidat Jean-Pierre Masseret geweigert hatte, sich zurückzuziehen. Trotzdem erhielt Richert, bisher Präsident des Elsasses, das der neuen Region einverleibt wurde, fast 50 Prozent der Stimmen und distanzierte den FN-Vizepräsidenten, Fabian Philippot, um über 10 Prozentpunkte.