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Griechenland

Griechische Erleichterung über Banken-Stresstests

von Panagis Galiatsatos / 02.11.2015

Die vier Großbanken Griechenlands haben einen Kapitalbedarf von 14 Milliarden Euro. Das gilt für den Fall einer schlechten Wirtschaftsentwicklung im Land. Politiker und Firmenleitungen sind zuversichtlich, dass die Großbanken ihren Kapitalbedarf decken können. Private Geldgeber sollen angeblich rund fünf Milliarden Euro investieren.

Die Bekanntgabe der Stresstest-Ergebnisse für die vier Großbanken Griechenlands durch die EZB hat in Athen ein positives Echo ausgelöst. Regierung und Firmenleitungen waren zufrieden und äußerten sich optimistisch, dass die anstehende Rekapitalisierung des Bankensektors gelingen werde.

Hoher Bestand fauler Kredite

Finanzminister Euklid Tsakalotos sagte im Parlament, dass er hinsichtlich der nötigen Finanztransaktionen viel zuversichtlicher sei als vor einem Monat. Er fügte an, dass man bis Ende des Jahres mit einer erfolgreichen Rekapitalisierung, aber auch mit einer Lösung des Problems der faulen Kredite rechne. Das dürfe dann durchaus als doppelter Erfolg bezeichnet werden. Um eine Regelung zu den notleidenden Darlehen, die laut dem Stresstest 49 Prozent des Kreditvolumens der Großbanken ausmachen, wird derzeit zwischen Athen und den Gläubigern gerungen.

Ebenfalls optimistisch zu den Perspektiven der Rekapitalisierung äußerten sich die Chefs der Großbanken. Anthimos Thomopoulos, der Geschäftsführer der Bank von Piräus, sagte, dass sein Institut über einen konkreten Plan zur Stärkung der Eigenkapitalbasis verfüge, um den durch den Stresstest ermittelten Geldbedarf zu decken. Eurobank-CEO Fokion Karavias erklärte, dass der Bedarf ohne Probleme gedeckt werden könne. Zuversichtlich zeigten sich auch der National-Geschäftsführer, Leonidas Frangiadakis, sowie der CEO der Alpha Bank, Dimitris Matzounis.

Laut dem Stresstest gestaltet sich das KapitalerfordernisKernkapitalquote (CET 1) von 9,5 Prozent der systemrelevanten Großbanken wie folgt:

Laut Bankenkreisen in Athen werden die insgesamt 4,4 Milliarden Euro des Basisszenarios von privaten Kapitalgebern voll gedeckt werden können. Möglicherweise werden private Anleger darüber hinaus noch eine bis 1,5 Milliarden Euro investieren. Die Differenz zum negativen Szenario von insgesamt 14,4 Milliarden Euro soll vom Hellenic Financial Stability Fund (Bankenrettungsfonds, HFSF) gedeckt werden. Dafür sind vom ESM-Kredit zehn Milliarden Euro auf einem Sonderkonto in Luxemburg hinterlegt worden.

Feilschen um Anteile

Die Finanzwelt in Athen wartet nun auf die Präzisierung einiger wichtiger Eckwerte der Rekapitalisierung. Die wohl wichtigste Frage betrifft die Art und Weise der Beteiligung des HFSF an den geplanten Geldspritzen. Laut dem Rekapitalisierungsgesetz, das am Samstag vom Parlament verabschiedet wurde, wird der Fonds entweder normale Aktien mit Stimmrecht oder Wandelanleihen (sogenannte Cocos) bekommen. Das Verhältnis zwischen Aktien und Cocos soll per Kabinettsbeschluss bestimmt werden. Eine Entscheidung dazu wird zu Beginn der Woche erwartet.

Die Frage der Cocos blieb bis zuletzt offen, weil die Regierung einen hohen Anteil des Eigenkapitals bei den vier Großbanken anstrebte. Dabei orientierte man sich zunächst an einem Verhältnis von Aktien und Cocos von ungefähr 50 zu 50 Prozent, das je nach Institut variieren sollte, um in allen Fällen die Sperrminorität zu erhalten.

Die Finanzwelt reagierte allerdings auf solche Aussichten negativ. Auch die Gläubiger wollen den Staatsanteil an den Großbanken so niedrig wie möglich halten. Gemäß Finanzkreisen soll das zu einem Verhältnis zwischen Cocos und Aktien von 70 zu 30 Prozent führen.