EZB-Check

Griechische Großbanken brauchen 4,4 Milliarden Euro – im besten Fall

von Claudia Aebersold Szalay / 31.10.2015

Die missliche Wirtschaftslage seit dem Regierungswechsel Anfang des Jahres in Athen fordert von den griechischen Banken einen hohen Tribut. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) in einer vertieften Analyse der vier griechischen Großbanken ermittelt hat, klafft in deren Bilanzen selbst unter optimistischen Annahmen ein Loch von 4,4 Milliarden Euro.

Im härteren Szenario, in dem sich die Wirtschaft nur langsam erholt, beträgt die Lücke sogar 14,4 Milliarden Euro. Besonders das Volumen der notleidenden Kreditanstalten hat während der Krise im Land rapide zugenommen. Die EZB-Experten haben letzteres über die vier Banken gesehen um insgesamt 7 Milliarden erhöht. Dabei gab es große Unterschiede zwischen den einzelnen Banken.

Von den vier getesteten Banken stach besonders die Piraeus-Bank negativ hervor, die vor der EZB-Analyse eine Kernkapitalquote von über zwölf Prozent ausgewiesen hatte, nach den Bewertungsanpassungen der EZB aber noch eine Quote von knapp acht Prozent aufwies – im adversen Szenario wäre diese deutlich in den negativen Bereich gefallen. Von ihr verlangt die Notenbank deshalb die größten Anstrengungen, sie soll fast 5 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen. Am besten abgeschnitten hat hingegen die Eurobank, die lediglich gut zwei Milliarden aufnehmen muss.

Die EZB beschrieb in einer kurzen Stellungnahme am Samstagmorgen, dass es vor allem die sich rasch verschlechternde Wirtschaftslage im Lande sei, die den Banken zusetzte. Sie vergrößere das Volumen an notleidenden Krediten, verringere den Wert der Sicherheiten der Banken und beeinträchtige deren Liquiditätspositionen.

Durch die Kapitalerhöhung sollen die Banken ausreichend mit Eigenmitteln unterlegt sein, um einen Puffer für eine mögliche abermalige Verschlechterung der Konjunkturlage im Land auszuweisen. Wie die anderen Banken der Euro-Zone auch, müssen sie im milden Szenario eine Kernkapitalquote von 9,5 Prozent und im adversen Szenario eine von acht Prozent ausweisen.