Griechenland

Griechische Wirtschaftskrise weitet sich aus

von Panagis Galiatsatos / 18.04.2016

Die hohe Zahl von Geschäftsaufgaben, rückläufige Spareinlagen und ein hohes Volumen an faulen Krediten stimmen pessimistisch: Griechenland steuert im laufenden Jahr erneut auf eine Kontraktion des Volkseinkommens zu. Gestritten wird unter Experten lediglich über das Ausmaß.

Nach einem langen Kampf hat vor wenigen Tagen die führende Handelskette für Haushaltgeräte in Griechenland, Elektroniki Athinon, Konkurs angemeldet. 7 Millionen Euro hatte Ioannis Stroutsis, der Hauptaktionär, zuletzt noch in das Unternehmen gepumpt, um das Ende abzuwenden. Allerdings war gegen die Kombination von Wirtschaftsschwäche, hohen Steuern und Kapitalverkehrskontrollen nichts mehr auszurichten.

Der Haushaltgeräte-Händler war fast überall in Griechenland präsent. Seine Filialen prägten vielerorts das Straßenbild. Die Bevölkerung nahm das Schicksal des Unternehmens denn auch mit Enttäuschung zur Kenntnis, überrascht wurde sie davon jedoch kaum. Denn für die meisten inlandorientierten griechischen Unternehmen ist der Kampf um die Existenz mittlerweile Alltag.

„Erschöpfte“ Unternehmen

Die Krise scheint nun auch denjenigen Firmen zuzusetzen, die noch vor einem Jahr gehofft hatten, das Schlimmste hinter sich zu haben. Vassilis Korkidis, der Präsident der Industrie und Handelskammer Athens, spricht im Zusammenhang mit der Geschäftsaufgabe von Elektroniki von „erschöpften“ Unternehmen, die nicht mehr die Kraft hätten, sich gegen stagnierende Umsätze und einen Mangel an Liquidität sowie eine stark zunehmende Steuerbelastung und Kapitalverkehrskontrollen zu behaupten. Im ersten Quartal 2016 wurden 9812 griechische Unternehmen aus dem Handelsregister gelöscht, 78 Prozent mehr als im selben Quartal des Vorjahres. Dagegen gab es nur 3.812 Neueintragungen.

Viele griechische Unternehmer sind im Prozess, ihren Sitz ins Ausland zu verlegen. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Endeavor Greece wurde im März 2016 dieser Schritt von 39 Prozent der Unternehmen in Erwägung gezogen, verglichen mit 23 Prozent im Juli 2015. Mit Blick auf die Wachstumsperspektiven der griechischen Wirtschaft erscheint besonders beunruhigend, dass sogar nur 19 Prozent der griechischen Technologiefirmen im Land bleiben wollen. Von den Gesellschaften, die seit Juli 2015 das Land verlassen haben, waren 56 Prozent im Technologiesektor aktiv.

Die gedrückte Stimmung in der griechischen Wirtschaft korrespondiert keineswegs mit dem Optimismus der Regierung, die von einer Rückkehr zu positiven Wachstumsraten im zweiten Halbjahr 2016 spricht. Wirtschaftsexperten wie den Vertretern des Instituts für Industrie- und Wirtschaftsforschung IOBE erscheinen sogar die Prognosen der EU-Kommission und des griechischen Finanzministeriums, die von einer Kontraktion von 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) im laufenden Jahr ausgehen, zu optimistisch. IOBE geht von einer Schrumpfung um ein Prozent aus – unter der Voraussetzung, dass sich der Abschluss der laufenden Evaluation des internationalen Rettungsprogramms für Griechenland nicht weiter verzögert. Die Regierung gibt sich optimistisch, dass die Prüfung am 22. Oktober abgeschlossen sein wird. Allerdings gibt es noch erhebliche Meinungsdifferenzen mit den Gläubigern.

Auch der Tourismus schwächelt

Dies stimmt die Wirtschaft nervös. Denn ewigwährende Verhandlungen, Liquiditätsengpässe, politische Instabilität und eine Wiederholung der letztjährigen Vertrauenskrise wären das Letzte, was sie zurzeit gebrauchen könnte. Die Belastung ist so oder so groß. Auf die Griechen kommen zusätzliche Steuern und Abgaben im Umfang von drei Prozent des BIP zu (5,4 Milliarden Euro). Dabei wird auch der Mehrwertsteuersatz von 23 auf 24 Prozent erhöht. Für die Wachstumsperspektiven nicht erfreulich ist auch die Entwicklung der Buchungen im Tourismus, die im ersten Quartal 2016 um ein Prozent unter das Vorjahresniveau zu liegen kamen.

Der Optimismus der Regierung beruht auf der im vergangenen Jahr bewiesenen Widerstandsfähigkeit, als die griechische Wirtschaft trotz Kapitalverkehrskontrollen nicht wie erwartet um mehr als zwei Prozent schrumpfte, sondern auf dem Vorjahresniveau verharrte. Dies könnte sich aber als trügerisch erweisen, denn die Griechen waren damals noch gut mit Liquidität versorgt. Inzwischen setzt sich der Aderlass bei den Bankeinlagen fort. Nicht bediente Darlehen machen derweil 50 Prozent des gesamten Kreditvolumens von Banken aus.