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Herausgegriffen: Visumspflichtig auch ausserhalb des Landes

Meinung / von Patrick Zoll / 24.09.2016

Ausländer brauchen ein Arbeitsvisum, um in Australien zu arbeiten. Doch was gilt für Arbeiter der Öl- und Gasbranche, die offshore tätig sind?

Ein Arbeitsvisum braucht es üblicherweise, wenn man in einem bestimmten Land arbeiten will. So auch in Australien, das spezielle Visumsklassen für Arbeitskräfte kennt, deren Fähigkeiten im Land gesucht sind. Besonders gefragt sind Techniker und Arbeiter für die Erdöl- und Erdgasbranche. Down Under baut diesen Sektor massiv aus. Die meisten Felder liegen offshore, also ausserhalb der Territorialgewässer. Viele der Schiffe und Plattformen kommen nie in einen australischen Hafen. Die Regierung beschloss daher im Dezember, dass sich diese Arbeiter ausserhalb Australiens befänden und somit kein australisches Arbeitsvisum brauchten. Die Branche fand das toll, denn an Arbeitsvisa sind strikte Vorgaben geknüpft.

Nun hat aber das Oberste Gericht des Landes entschieden, dass diese Ausnahmeregelung ungültig ist. Geklagt hatte die Maritime Union of Australia (MUA), die Gewerkschaft der Seeleute. Sie befürchtete, dass die Firmen die Befreiung von der Visumspflicht dazu nützen würden, ausländische Arbeitskräfte zu schlechteren Bedingungen einzustellen. Zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein Arbeitsvisum gehört, dass landesübliche Löhne bezahlt werden und die Arbeitsbedingungen mit jenen von Australiern oder hier fest Niedergelassenen gleichwertig sind. Die MUA sah in der Ausnahmeregelung eine Einladung für die Öl- und Gasfirmen, teure australische Arbeitskräfte durch billige Ausländer zu ersetzen.

Die betroffenen Unternehmen müssen nun so rasch als möglich für ihre ausländischen Angestellten Visa einholen. Ein kleiner Trost ist, dass der Arbeitsmarkt aus Sicht der Arbeitgeber recht entspannt ist. Wurde vor zwei Jahren noch um jeden Arbeiter gekämpft, so sind heute viele Talente auf dem Markt. Denn mehrere grosse Bauprojekte sind zu Ende gegangen, die Produktion braucht deutlich weniger Manpower. Auch wenn die Branche klagt, dass sie gegenüber Projekten in anderen Ländern durch den Gerichtsentscheid einen Nachteil erhalte, wird es für sie zumindest kurzfristig kaum einschneidende Auswirkungen haben.