Luca Bruno / AP

Anschlag in Nizza

Hier kommt der Attentäter her

von Nikos Tzermias / 15.07.2016

Der 31jährige tunesische Attentäter war in Nizza ansässig. Das ist kein Zufall. Die südfranzösischen Hafenstadt macht immer wieder Schlagzeilen als Hochburg islamistischer Extremisten.

Der 31jährige Mann, der am späten Donnerstagabend in Nizza kurz nach dem Feuerwerk anlässlich des französischen Nationalfeiertags mit einem Lastwagen in die Zuschauermenge raste und mindestens 84 Menschen umbrachte, wurde in Tunesien geboren und war in Nizza wohnhaft, wie die Präfektur mitteilte. Ob der mit einer Pistole bewaffnete Terrorist, der von der Polizei nach einem Schusswechsel getötet wurde, ein einsamer Wolf war, im Alleingang oder im Auftrag handelte, blieb vorerst unklar.

Allerdings hatte der Mann, welcher der Polizei, nicht aber den Geheimdiensten bereits zuvor negativ aufgefallen sein soll, das Massaker allem Anschein nach geplant. Er hatte den weissen Lastwagen einige Tage zuvor gemietet. Und er schien sich zumindest von früheren Aufrufen von Führern der Terrormiliz Islamischer Staat leiten zu lassen, die Jihadisten unter anderem dazu ermuntert hatten, auch mit Autos in Menschenmengen zu rasen, um Terror zu verbreiten.

Dass der Attentäter gerade Nizza für die Schreckenstat auswählte, hing möglicherweise nicht nur damit zusammen, dass er sich in der Hafenstadt zwischen Cannes und dem Fürstentum Monaco seinen offiziellen Wohnsitz hatte. Die über 340 000 Einwohner zählende Stadt hatte schon zuvor immer wieder als Hochburg islamistischer Extremisten Schlagzeilen gemach. Aus Nizza stammt eines der grössten Kontingente Jihadisten, die sich aus Frankreich in den Irak und nach Syrien aufgemacht hatten, um sich dem IS anzuschliessen. Ob auch der Attentäter dazu zählte, ist im Moment ebenfalls unklar.

Nizza weist auch einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Muslimen vorab aus dem Maghreb auf, die vielfach in ghettoartigen Wohnsilos hausen. Der Anteil der Muslime wird auf 15 Prozent geschätzt und liegt unter den grösseren französischen Städten nur noch in Paris und Strassburg höher.

Nizza gehört auch zu den Orten, in die Einwanderungsfrage für besonders bittere Kontroversen sorgt und der ultranationalistische Front National ausserordentlich stark ist, ohne jedoch dem bürgerlich-konservativen Lager die Führung der Stadt entreissen zu können. Die traditionelle Dominanz des politischen Rechten hängt auch damit zusammen hängt, dass die Stadt in den 1960er eine starke Zuwanderung von erzpatriotischen Franzosen nach dem Algerienkrieg erlebt hatte.