Reuters

Präsidentenvisite in Calais

Hollande will „Dschungel“ schliessen

von Nikos Tzermias / 26.09.2016

Der französische Staatschef Hollande hat am Montagmorgen die Hafenstadt Calais besucht und versichert, dass der dortige Migranten-„Dschungel“ endgültig beseitigt werde.

Die Kontrolle und Eindämmung des Migrantenstroms ist in Frankreich eines der heissesten Themen des nach den Sommerferien angelaufenen Präsidentschaftswahlkampfs geworden. So hat Staatschef François Hollande am Montagvormittag – nur fünf Tage nach seinem Vorgänger und ewigen Erzrivalen Nicolas Sarkozy – ebenfalls die französische Hafenstadt Calais besucht, wo der berühmt-berüchtigte Migranten-Dschungel während der letzten Wochen wieder stark angeschwollen ist; in der slumartigen Siedlung befinden sich derzeit annähernd 10.000 Migranten, die nach Grossbritannien zu gelangen versuchen.

Unter Beschuss der Rechten

Hollande bekräftigte während der Visite, dass die Regierung den Dschungel bis Ende Jahr vollständig und definitiv beseitigen wolle. Die gegenwärtige Situation sei inakzeptabel. Zur Evakuierung des illegalen Lagers will die Regierung die Migranten auf 164 Auffanglager in 80 Départements verteilen, wo deren Status überprüft werden soll. Dabei würden Personen, die keinen Anspruch auf Asyl haben, ausgewiesen, versicherte Hollande.

Hollande wehrte gegen den Vorwurf Sarkozys und anderer Rechtspolitiker wehrte, dass die Regierung nicht entschieden gegen die illegale Migration vorgehe, einen rechtsfreien Raum geschaffen habe und mit der Verteilung der Migranten von Calais aufs ganze Land, das Problem zu multiplizieren drohe. Hollande machte geltend, dass die Verteilung der Migranten von Calais vielmehr einer strikteren Kontrolle diene; in den einzelnen Auffangzentren würden jeweils nur 40 bis 50 Personen aufgenommen.

Neue Forderung an London

Schliesslich forderte Hollande Grossbritannien dazu auf, sich auch am humanitären Effort Frankreichs zu beteiligen. Bisher hatten sich die Hilfsanstrengungen Londons weitgehend darauf beschränkt, die Verschärfung der Grenzkontrollen auf der französischen Seite des Ärmelkanals zu finanzieren. So wird Grossbritannien auch etwa die Kosten für den Bau einer Mauer entlang der Zufahrt zum Fährhafen übernehmen. Bisher hat Grossbritannien aufgrund des 2003 geschlossenen bilateralen Abkommens von Le Touquet für die Grenzkontrollen und -sperren bereits rund 100 Millionen Euro bezahlt.

Genauso wie Sarkozy mied Hollande den auf einem sandigen Ödland an der Peripherie von Calais gelegenen Dschungel. Das Programm beschränkte sich auf Begegnungen mit lokalen Politikern, Ordnungskräften und humanitären Helfern. Zudem beteiligte sich der der Präsident an der Grundsteinlegung für den Ausbau des Hafens.