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Unglück im Mittelmeer

Hunderte von Toten befürchtet

von David Signer / 19.04.2016

Der Landweg über die Türkei ist für Migranten schwieriger geworden. Nun dürften wieder mehr den Seeweg wählen. Dabei sind jetzt womöglich hunderte Afrikaner ums Leben gekommen – ein Jahr nach einer ähnlichen Katastrophe mit 700 Opfern.

Im Mittelmeer hat sich laut italienischen Angaben erneut eine Flüchtlingskatastrophe ereignet. „Es ist sicher, dass wir es genau ein Jahr nach der Tragödie in libyschen Gewässern wieder mit einer Tragödie zu tun haben“, sagte der italienische Außenminister Paolo Gentiloni am Montag am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg. Die verunglückten Personen waren demnach in Ägypten aufgebrochen. Der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor gesagt, er habe von Berichten über eine Katastrophe mit mehr als 300 Opfern gehört.

Der arabische Dienst des britischen Senders BBC hatte unter Berufung auf nicht näher genannte ägyptische Berichte gemeldet, bei der Katastrophe seien mehr als 400 Flüchtlinge ertrunken, die meisten von ihnen Somalier. Insgesamt seien vier Boote im Mittelmeer gesunken, hieß es. Auch ägyptische Medien hatten von bis zu 400 Opfern im Mittelmeer berichtet. Mehrere Boote sollen gekentert sein. Bis zu vier Schiffe hätten in Ägypten abgelegt, berichtet der italienische Fernsehsender RAI.

In den sozialen Netzwerken kursiert ein Video, in dem man die Bergung von teils toten, teils sehr geschwächten Schiffbrüchigen sieht, offenbar mehrheitlich Somalier, aber auch Eritreer und Äthiopier. Über soziale Netzwerke verbreiteten somalische Nutzer schnell handgeschriebene Passagierlisten mit den Namen der Opfer. Beat Schuler, der Rechtsexperte des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, sagte gegenüber der „Tagesschau“ von SRF: „Wir wissen, dass es 40 Überlebende gibt und dass möglicherweise bis zu 460 Personen auf dem Boot von Ägypten losgefahren sind.“ Eine offizielle Bestätigung des UNHCR liegt zurzeit noch nicht vor.

Genau vor einem Jahr war es im Mittelmeer nach einer Havarie zu einer der größten Katastrophen dort gekommen. In der Nacht auf den 18. April 2015 sank ein Schiff vor der libyschen Küste, laut der UNO kamen über 700 Menschen ums Leben. Nachdem es für Migranten nun wieder schwieriger geworden ist, auf dem Landweg von der Türkei aus nach Griechenland zu gelangen, dürften wieder mehr Menschen versuchen, in kaum seetauglichen Booten auf dem Seeweg nach Europa zu gelangen.