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Russlands arktische Grossstadt

Hurtig ein Abstecher nach Murmansk?

von Rudolf Hermann / 28.09.2016

Lange war sie unzugänglich, und noch immer ist sie unbekannt und geheimnisvoll: Russlands „Arktis-Hauptstadt“ Murmansk. Nun sollen die norwegischen Hurtigruten helfen, sie dem Tourismus zu öffnen.

Sie mag mit ihren rund 300 000 Einwohnern die grösste Stadt der Welt jenseits des nördlichen Polarkreises sein, doch dieses Attribut reichte in der Vergangenheit nicht aus, um Reisende in grosser Zahl nach Murmansk im äussersten Nordwesten Russlands zu bringen. Ganz abgesehen davon war dies lange Zeit auch gar nicht möglich, weil Murmansk als Heimathafen der russischen Nordmeer-Kriegsflotte geschlossenes Territorium war. Nun ist die Stadt zwar offen, doch weil sie nicht eben am Weg liegt, sind die Touristenströme bescheiden geblieben.

Das allerdings möchte man ändern. Im Juli hat Murmansk einen Sonderstatus zuerkannt bekommen, der Kreuzfahrtpassagieren einen 72-stündigen Aufenthalt ohne Visum ermöglicht. Nur drei weitere russische Häfen gibt es, die diesen Status ebenfalls haben, nämlich St. Petersburg, Wladiwostok sowie neuerdings Archangelsk am Weissen Meer. Woran es allerdings in Murmansk noch fehlt, sind die Kreuzfahrtschiffe. 2015 verzeichnete die Stadt 13 Ankünfte mit insgesamt etwa 10 000 Passagieren; diesen Sommer waren es bloss 6 Ankünfte.

Die Zahl könnte bald steigen, wenn Murmansk zu einer Destination der Hurtigruten würde, der Linie norwegischer Postschiffe, die im Tagesrhythmus von Bergen nach Kirkenes an der norwegisch-russischen Grenze verkehren. Bei der Hurtigruten sieht man Russland als interessanten Markt, wie der Kommunikationschef Stein Lillebo gegenüber dem „New Barents Observer“ erklärte. Allerdings käme ein Testbetrieb erst 2018 infrage, weil der Schifffahrtsgesellschaft für eine Ausweitung des Betriebs derzeit die Fähren fehlen und die Expeditionsschiffe für 2017 mit Destinationen wie Grönland oder Spitzbergen bereits ausgebucht sind.

Immerhin deutet der norwegisch-russische Kontakt auf wirtschaftlich wärmere Zeiten hin. Politisch jedoch ist es arktisch kühl in der Barents-Region. Norwegen baut derzeit nach den schlechten Erfahrungen vom letzten Sommer mit Flüchtlingen, die über die entlegene „Nordroute“ kamen, am einzigen Grenzübergang zu Russland einen Metallzaun.