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Eurostat

Inflation im Euro-Raum bleibt negativ

von René Höltschi / 01.06.2016

Der Rückgang der Energiepreise über die letzten zwölf Monate prägt weiterhin die Inflationsentwicklung im Euro-Raum. Doch im zweiten Semester könnte die Teuerung etwas anziehen.

Trotz der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt die Teuerung der Konsumentenpreise im Euro-Raum vorläufig im negativen Bereich. Laut einer am Dienstag publizierten ersten Schätzung des EU-Statistikamts Eurostat stieg die jährliche Inflationsrate von –0,2 Prozent im April auf –0,1 Prozent im Mai; die Preise waren also eine Spur tiefer als im Mai 2015. Die Inflationsrate liegt seit Februar wieder unter dem oder – im März – am Nullpunkt.

Den Grund bilden weiterhin die Energiepreise: Sie waren im Berichtsmonat um 8,1 (April: 8,7) Prozent tiefer als im selben Vorjahresmonat. Leicht zugelegt hat die Kernteuerung, die die volatilen Preise für Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak ausblendet und deshalb für die mittelfristige Entwicklung aussagekräftiger ist: Sie stieg dank den Dienstleistungen von 0,7 Prozent im April auf 0,8 Prozent im Mai.

Viele Auguren gehen von einem Anziehen der Teuerung im zweiten Semester dank wieder höheren Ölpreisen aus. Diese Einschätzung teilte auch die EU-Kommission in ihrer Anfang Mai veröffentlichten Frühjahrsprognose, die aber im Durchschnitt des laufenden Jahres dennoch eine Inflationsrate von nur 0,2 Prozent erwartet und 2017 dann 1,4 Prozent. Demgegenüber strebt die EZB mittelfristig durchschnittliche Werte von „unter, aber nahe zwei Prozent“ an. Von der Sitzung des EZB-Rats vom Donnerstag erwarten Analytiker aber keine neuen Beschlüsse, zumal das im März angekündigte Paket zur Lockerung der Geldpolitik noch nicht voll umgesetzt ist.

Fortgesetzt hat sich derweil vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Erholung die allmähliche Aufhellung der Lage an den Arbeitsmärkten. Die Zahl der Arbeitslosen im April schätzt Eurostat EU-weit auf 21,2 Mio. Personen, davon 16,4 Mio. im Euro-Raum. Gegenüber März entspricht dies einem Rückgang um 106.000 Personen in der ganzen EU (EU-28) und um 63.000 im Euro-Raum. Gleichwohl blieb die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Euro-Raum im April mit 10,2 Prozent gegenüber März unverändert. Dies ist der tiefste Stand seit August 2011. In der EU-28 sank die Quote von 8,8 Prozent im März auf 8,7 Prozent im April.

Über ein Jahr betrachtet ist die Arbeitslosenquote in 25 der 28 EU-Staaten gesunken, in Belgien unverändert geblieben und in Estland und Lettland leicht gestiegen. Im April 2016 wiesen Tschechien mit 4,1%, Deutschland (4,2%) und Malta (4,3 Prozent) die tiefsten Quoten auf. Die höchsten Werte meldeten erneut Spanien mit 20,1 Prozent und Griechenland mit 24,2 Prozent (Februar, keine neueren Daten verfügbar). Frankreich lag mit 9,9 Prozent knapp unter dem Durchschnitt des Euro-Raums, Italien mit 11,7 Prozent deutlich darüber.