Umstrittene Autonomie

Korsisch nicht offizielle Amtssprache

von Nikos Tzermias / 04.07.2016

Der französische Premier Valls will das Korsisch der Inselbewohner nicht als offizielle Sprache neben dem Französischen anerkennen.

Nach dem überraschenden Sieg der korsischen Autonomisten in den Regionalwahlen im letzten Dezember hat der französische Premierminister Manuel Valls am Montag mit einer offiziellen Visite auf der gut 320.000 Einwohner zählenden Mittelmeerinsel Dialogbereitschaft markieren wollen. Allerdings wies Valls die Hauptforderungen der neuen politischen Führer Korsikas, nämlich des Chefs der Regionalregierung, Gilles Simeoni, und des Präsidenten des Regionalparlaments, Jean-Guy Talamoni, abermals entschieden zurück.

Im Besonderen wandte sich Manuel Valls gegen eine offizielle Anerkennung der korsischen Sprache neben der französischen. Er lehnte ebenso einen Sonderstatus für die ständigen Bewohner der „Ile de beauté“ ab. Und erst recht als ungerechtfertigt bezeichnete er die von den Separatisten verlangte Amnestie für die angeblichen politischen Gefangenen. Schon nach dem Sieg der Autonomisten hatte der Regierungschef klargestellt, dass Korsika integraler Teil der französischen Republik sei, wobei er die Existenz politisch Verfolgter bestritt.

Demgegenüber versuchte Valls in seiner Rede vor dem korsischen Regionalparlament in Ajaccio die für 2018 geplante Fusion der bisher zwei korsischen Départements zu einer einheitlichen Körperschaft als wichtiges Kapitel eines Dezentralisierungsprozesses und als Zeichen der Anerkennung der „kulturellen korsischen Ausnahme“ darzustellen. Zudem sicherte Valls eine Verlängerung des 2002 von Regierungschef Lionel Jospin in die Wege geleiteten Sonderprogramms zur wirtschaftlichen Förderung der Insel zu. Eine weitere Tranche von 450 Millionen Euro soll nun für die nächsten drei Jahren ausbezahlt werden. Ferner sprach sich Valls auch für eine Fortsetzung der fiskalischen Sonderregelungen zum Schutz der Lokalbevölkerung vor der Bauspekulation auf der Ferieninsel aus.

Der Autonomist Talamoni bedauerte, dass ein großes Land wie Frankreich einem so kleinen Volk wie dem korsischen weiterhin das Existenzrecht abspreche. Dabei falle doch der Besuch von Premierminister Manuel Valls in eine Zeit, in der sich die Zahl separatistischer Attentate, die sich gewöhnlich gegen Immobilien von Festlandfranzosen gerichtet hatten, stark vermindert habe und die Zeit für einen Frieden entsprechend in Griffnähe erscheine. Schließlich widersetzte sich Talamoni dem im übrigen Frankreich weitverbreiteten Vorurteil, dass die Korsen nur mehr Geld von Paris wollten und jeweils erst noch in die Hand bissen, die man zu ihnen ausstrecke. Tatsächlich poche Korsika vor allem auf mehr finanzpolitische Autonomie.

2003 hätte Korsika solche Selbstbestimmungsrechte fast erhalten. Ein noch von der sozialistischen Regierung von Lionel Jospin vorgespurtes und in der Folge von den Gaullisten in Paris halbherzig organisiertes Referendum über eine verstärkte Autonomie wurde jedoch im Juli 2003 von 51 Prozent der Korsen knapp verworfen.

Das Abstimmungsergebnis widerspiegelte nicht nur einen anhaltenden Antagonismus zwischen der angestammten korsischen Bevölkerung und den nach dem Krieg in Algerien von dort aus nach Korsika umgesiedelten Franzosen. Es ist auch darauf hingewiesen worden, dass die Separatisten immer wieder unter Richtungskämpfen litten und sich mit der jahrzehntelangen Wirtschaftsförderung aus Paris erst noch ein republiktreuer Klientelismus auf der Insel entwickelt habe. Auch die Regionalwahlen vom letzten Dezember konnten die Separatisten und Autonomisten bloß mit einer relativen Stimmenmehrheit von knapp 37 Prozent gewinnen.