Amoklauf in München

Lob für das Großaufgebot der Polizei

von Stephanie Lahrtz / 23.07.2016

Am Freitagabend war die Lage in München unübersichtlich. Deswegen wäre es laut Polizeichef fahrlässig gewesen, nicht mit allen verfügbaren Mitteln vorzugehen. Die Polizei war auf einen Terroranschlag vorbereitet.

München hat am Tag nach dem Amoklauf das normale Leben oberflächlich betrachtet wieder aufgenommen. U-Bahnen, Busse und Trams fahren planmäßig, der Hauptbahnhof ist freigegeben. Aber die Stimmung ist gedrückt, immer noch erreichen einen Anrufe oder elektronische Nachrichten von Freunden aus der ganzen Welt. Zum einen atmen die Menschen auf, dass es keine islamistische Terrorattacke wie in Paris oder Nizza war. Doch zum anderen hört man immer wieder die Fassungslosigkeit, was denn einen zuvor allen Aussagen nach völlig unauffälliger 18-Jährigen dazu treiben könnte, einen derart brutalen Anschlag zu begehen.

Einhelliges Lob erhält die Münchner Polizei. Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann rühmen die Einsatzkräfte – zu Spitzenzeiten waren 2300 im ganzen Stadtgebiet beschäftigt – für das vorbildliche, effiziente und hochprofessionelle Vorgehen. Und ihre Ruhe angesichts 4.310 Notrufen in nur sechs Stunden.

Nur einigen wenigen Kritikern erscheint im Nachhinein und bei sicherem Tageslicht das Vorgehen etwas überdimensioniert. Schliesslich wurde die Stadt völlig abgeriegelt, der komplette Nahverkehr lahmgelegt, der Hauptbahnhof evakuiert und für Stunden geschlossen. Und das alles für einen einzigen Amoktäter? So wird vereinzelt gefragt.

Doch am Freitagnachmittag und vor allem in den Abendstunden war die Lage völlig unübersichtlich. Denn Zeugen hatten von drei Tätern berichtet, die mit Waffen vom Tatort weggerannt seien. Am Morgen weiss man, es waren der Täter und zwei Beamte in Zivil, die den Täter verfolgten, beschossen, aber nicht trafen. Zudem meldeten bereits kurz nach der Tat Menschen immer wieder via Notruf und über die Sozialen Medien weitere Schusswechsel an diversen Plätzen der Innenstadt. Diese Ereignisse stellten sich zwar allesamt als unwahr heraus. Verunsicherte und verängstige Bürger hatten offenbar Geräusche in der Menge missverstanden und Situationen überinterpretiert. Doch somit stellte sich die Lage für die Polizei zeitweilig als konzertierte Terrorattacke mit mehr als einem flüchtigen Täter dar. Und es wäre absolut fahrlässig gewesen, dem nicht mit allen verfügbaren Mitteln und einem Grossmass an Sicherheitsmassnahmen zu begegnen, betonten Polizeichef Hubertus Andrä, andere Ermittler wie auch ihr Dienstherr, der Innenminister.

Ehrlich gesagt, als Münchner Einwohnerin ist es auch beruhigend zu wissen, dass die Münchner Polizei offenbar gut vorbereitet und ausgerüstet ist, und im Ernstfall schnell alle eventuell nötigen und denkbaren Massnahmen durchführt. Denn es ist ja keineswegs ausgeschlossen, dass in naher Zukunft auch ein zuvor noch nie auffällig gewordener Terrorist in München zuschlagen wird. Das können die Sicherheitskräfte genauso wenig vorhersehen wie einen Amoklauf.


 

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