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Flüchtlingskrise

Making of „Neuland“

von Bernhard Schinwald / 16.03.2016

Die Flüchtlingskrise wird gemeinhin – und auch von uns – als eine der größten europäischen Herausforderungen der letzten Jahrzehnte wahrgenommen. Innerhalb weniger Monate hat Österreich rund 90.000 Flüchtlinge, also mehr als ein Prozent der Gesamtbevölkerung, aufgenommen. Die Europäische Union hadert weiterhin mit einer Lösung. Über 40.000 Menschen sitzen in Griechenland fest. Der Ausgang ist ungewiss.

Doch so enorm diese Herausforderungen in unseren Breiten auch wahrgenommen werden: Im Vergleich zu der Flüchtlingssituation in der Türkei, im Libanon und Jordanien schwinden sie zu Luxusproblemen.

Der Journalist Florian Guckelsberger
Credits: Rajiv Raman

Der Berliner Journalist Florian Guckelsberger trat im Herbst vergangenen Jahres mit der Idee an NZZ.at heran, die Flüchtlingssituation in Jordanien in einer ausführlichen Reportage darzustellen. Guckelsberger, der zuvor für die Berliner Magazine Cicero und The European arbeitete, verbrachte den Winter in Amman. Als Middle East Fellow des International Journalist Programme arbeitete er dort für die Jordan Times und eine Vielzahl deutschsprachiger Medien. Neben Jordaniens Heavy Metal-Szene, Kriegskrankenhäusern, Comic-Künstlern und zu Hacker gewordenen Schönheitsköniginnen, widmete Guckelsberger einen großen Teil seines Aufenthaltes für Recherchen zur angespannten Flüchtlingssituation in einem Land inmitten der unsichersten Weltregion.

Den Recherchen vor Ort gingen Wochen der Vorarbeit voraus. Im November erhielt Guckelsberger dann eine mehrtägige Akkreditierung für das Flüchtlingslager Zaatari. Begleitet wurde er dabei, so wie bei allen anderen Stationen seiner Arbeit, von dem indischen Fotografen Rajiv Raman.

Guckelsbergers Arbeit überzeugte uns, sodass wir uns entschieden, den Ergebnissen seiner Recherchen eine Plattform zu geben. In Zusammenarbeit mit der Jordan Times präsentieren wir pünktlich zum fünften Jahrestag der syrischen Revolution das Ergebnis seiner Recherchen in der Reportage „Neuland“:

„Neuland“ gibt in vier Akten u.a. einen Einblick in das Innenleben von Zaatari, einem der größten Flüchtlingslager der Welt. Die Reportage zeigt, wie dort rund 80.000 Einzelschicksale zusammenfinden und nach Perspektiven suchen. Sie zeigt auch die internationale Hilfsorganisationen, die längst begriffen haben, dass Zaatari mehr als das Provisorium ist, als das es errichtet wurde und die das Camp städtisch organisieren – von Schulen und Krankenhäusern bis hin zu Pizzalieferdiensten und Brautmodegeschäften. Doch das Stück blickt auch jenseits des Flüchtlingslagers darauf, wie sich das gesamte Land, Jordanien, unter dem Eindruck von Millionen Flüchtlingen, verändert. „Neuland“ zeigt auch, welche Innovationen aus der Not geboren werden können und wie Zaatari die Zukunft von Flüchtlingslagern verändern wird.

Sie treffen in „Neuland“ auf traumatisierte Flüchtlinge, erschöpfte Helfer, aber auch auf enorme Hilfsbereitschaft und inspirierende Kreativität und Erfindertum.