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Terror in Istanbul

Merkel sagt Attentätern den Kampf an

von Marco Kauffmann Bossart / 13.01.2016

Bei einer Explosion im historischen Zentrum Istanbuls sind acht Deutsche und ein Peruaner getötet worden. Hinter dem Selbstmordattentat steht nach Angaben der türkischen Regierung der IS.

Am Dienstagvormittag um 10 Uhr 20 hat eine schwere Explosion den Sultanahmet-Platz in Istanbul, unweit der weltberühmten Blauen Moschee und der Hagia Sophia, erschüttert. Die staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf den Gouverneur Istanbuls, zehn Menschen seien ums Leben kommen. 15 weitere Personen seien verletzt worden. Augenzeugen berichteten von herumliegenden Körperteilen.

Mehrzahl der Opfer aus Deutschland

Die Hagia Sophia und die Blaue Moschee zählen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der türkischen Metropole, die jährlich von über zehn Millionen Touristen besucht wird. Bei dem Selbstmordanschlag sind acht Deutsche getötet worden, wie der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier mitteilte. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu habe die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel angerufen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Er habe Merkel sein Beileid und sein Bedauern ausgesprochen. Unter den Toten ist zudem ein Peruaner, wie das Außenministerium Perus bekannt gab. Davutoğlu machte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich.

Attentäter aus Syrien?

Bundeskanzlerin Merkel bei ihrer Pressekonferenz am Dienstagabend in Berlin.
Credits: AFP / dpa / Soeren Stache

Zunächst hat niemand Verantwortung für den mutmaßlichen Anschlag übernommen. Zwei Stunden nach der Explosion, die in verschiedenen Teilen der Stadt gehört wurde, verhängte die Regierung eine vorübergehende Nachrichtensperre. Davutoğlu berief derweil eine Dringlichkeitssitzung mit dem Innenminister und dem Chef des Geheimdienstes ein.

Nach Angaben des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan wurde der Anschlag von einem syrischen Selbstmordattentäter verübt. Das sagte Erdoğan am Dienstag in Ankara in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Unter den Toten und Verletzten seien Türken und Ausländer, sagt Erdoğan. Die Türkei sei Ziel Nummer eins aller Terrorgruppen in der Region.

„Feinde aller Menschlichkeit“

Nach Angaben des türkischen Präsidenten Erdoğan wurde der Anschlag von einem syrischen Selbstmordattentäter verübt.
Credits: AFP Photo / Turkish presidential press office / Kayhan Ozer

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Attentätern von Istanbul einen entschlossenen Kampf angesagt. Die Terroristen seien Feinde aller freien Menschen, sagte sie am Dienstagabend in Berlin. „Ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit. Genau diese Freiheit und unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern gegen diese Terroristen vorzugehen, werden sich aber durchsetzen“, sagte Merkel.

Sie habe mit Ministerpräsident Davutoğlu und Präsident Erdoğan telefoniert, die sie über die laufenden Ermittlungen informiert hätten. Merkel betonte, dass der Anschlag in Istanbul in einer Reihe mit den Terrorakten von Paris, Kopenhagen und Tunis stehe. Auch die türkische Bevölkerung habe unter dem Terror zu leiden.

Lange Reihe von Anschlägen

Nach mehreren Terrorattentaten im Jahre 2015 befindet sich die Türkei in erhöhter Alarmbereitschaft. Im Oktober rissen in Ankara zwei Selbstmordattentäter, die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeordnet wurden, über 100 Teilnehmer einer kurdischen Friedenskundgebung in den Tod. Die linksradikale DHKP-C, die in den letzten Monaten mehrfach in Istanbul zuschlug, zielte meist auf Repräsentanten des Staates.

Derweil greift die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) primär Polizisten und Soldaten im kurdisch bevölkerten Südosten der Türkei an. Allerdings übernahm die kurdische Splittergruppe TAK die Verantwortung für eine Mörserattacke auf einen der zwei Istanbuler Flughäfen vom 23. Dezember. Dabei wurde eine Reinigungskraft getötet und mehrere Flugzeuge beschädigt.

Sollte sich die Vermutung bestätigen, dass die Täter am Dienstag bewusst auf Touristen zielten, dürfte dies den für die Türkei außerordentlich wichtigen Wirtschaftszweig stark beeinträchtigen.