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Griechenland-Verhandlungen

Mut in Athen statt Bühne in Brüssel

Meinung / von René Höltschi / 28.04.2016

Der – vorerst abgeschlagene – Wunsch von Ministerpräsident Tsipras nach einem „Griechenland-Gipfel“ ist kein gutes Omen. Was sein Land und die Kreditgeber jetzt brauchen, ist etwas ganz anderes.

So langsam werden Erinnerungen an den Frühling 2015 wach. Wieder ziehen sich die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Kreditgebern über die nächsten Reformschritte hin, während sich in Athen erste Finanzierungsprobleme zeigen. Und wieder hat der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras versucht, das Ringen auf die höchste politische Ebene zu hieven, indem er um ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs gebeten hat. Dort, so scheint er zu hoffen, könnte er eher auf ein Entgegenkommen zählen als bei den Erbsenzählern aus den Finanzministerien, dort könnte er die zentrale Rolle seines Landes in der Flüchtlingskrise besser als Verhandlungspfand ausspielen, und dort hätte er die internationale Bühne, um der heimischen Kulisse seinen heroischen Kampf vorzuführen.

Der EU-Ratspräsident Donald Tusk hat ihm den Wunsch kühl abgeschlagen, und dies zu Recht. Bei den Gebern hat das Begehren Alarmglocken läuten lassen. Will Tsipras wieder auf Drama und Krisenmodus schalten, nachdem in den letzten Wochen auf technischer Ebene zwar zäh, aber doch relativ konstruktiv gearbeitet worden ist? Im Gegensatz zur Lage vor einem Jahr ist man einer Einigung vergleichsweise nahe. Es geht „nur“ um die nächste Etappe im längst beschlossenen dritten Hilfsprogramm, auch wenn die Forderung nach Vorratsbeschlüssen für Reserve-Sparmaßnahmen zur Besänftigung des Internationalen Währungsfonds und die Frage der Schuldenerleichterungen die Verhandlungen erschweren. Doch die für einen Abschluss nötigen Kompromisse sind im Wesentlichen bekannt. Nicht nur Tsipras muss eine Kröte schlucken, um den Deal zu besiegeln. Doch auch für ihn und sein Land ist dieser das kleinste Übel. Etwas Besseres ist nicht im Angebot. Für niemanden. Was Tsipras jetzt braucht, ist Mut, um den Kompromiss zu Hause zu verteidigen, nicht eine Bühne in Brüssel, um den starken Mann zu spielen.