Nein, Athen wurde nicht spontan geheilt

von Bernhard Schinwald / 10.06.2015

Griechenland holt sich rund drei Milliarden Euro am Kapitalmarkt. Diese Meldung kam heute über die Agenturen und hat es auf diversen Nachrichtenseiten an prominente Stelle geschafft.

Falls Sie sich nun fragen, ob Athen eine Spontanheilung erfahren hat und sich plötzlich wieder selbst refinanzieren kann, sollten Sie ein paar Dinge wissen.

Das frische Geld kommt in Form kurzfristiger Staatsanleihen, sogenannter Treasury Bills oder kurz: T-Bills. Die griechische Regierung darf diese Anleihen im Volumen von 15 Milliarden Euro ausgeben. Dieses Volumen nutzt sie auch gänzlich aus. Werden wieder T-Bills fällig, holt sich Athen neues Geld – vorwiegend von griechischen Banken.

So auch in diesen Tagen: Am Freitag werden T-Bills von über drei Milliarden Euro fällig.

Kurz bevor alte T-Bills fällig werden, werden neue T-Bills aufgelegt. Abgesehen von Zinsschwankungen und anders als bei Rückzahlungen an IWF und EZB ist der griechische Haushalt damit weder be- noch entlastet.

Athen selbst will das aktuelle Volumen von 15 Milliarden Euro vergrößert haben, um unmittelbar über zusätzliche Mittel zu verfügen. Dafür braucht es aber die Zustimmung der EZB. Die EZB ist dazu momentan aus Angst vor zusätzlichen Risiken für griechische Banken dazu nicht bereit.