AFP PHOTO / EMMANUEL DUNAND

UNO-Generalsekretärin

Neue Bewerberin für Uno-Spitzenjob

von Marco Kauffmann Bossart / 29.09.2016

Bulgarien wechselt im Rennen um die Nachfolge für Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die Kandidatin aus. Dies führt zu Kritik am Verfahren.

Nach wochenlangen Spekulationen hat der bulgarische Ministerpräsident Boiko Borisow seine bisherige Kandidatin für das Amt des Uno-Generalsekretärs, Irina Bokowa, fallengelassen. Man habe Bokowa noch eine letzte Chance gegeben, erklärte der Regierungschef in Anspielung auf die letzte Probeabstimmung im Sicherheitsrat vom Montag. Die Unesco-Generaldirektorin landete laut Diplomaten in dem geheimen Urnengang auf dem sechsten Platz. Am Mittwoch nominierte Bulgarien Kristalina Georgiewa, die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, für die Nachfolge von Ban Ki Moon, dessen Mandat Ende Jahr ausläuft.

Absprachen mit Putin?

Bokowa galt lange als Favoritin, zumal die bisherigen Generalsekretäre aus Westeuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika stammten und Osteuropa gemäss dem unverbindlichen Rotationsprinzip an der Reihe wäre. Auch wurde die Uno noch nie von einer Frau geführt. Bei der erstmals durchgeführten Anhörung vor der Uno-Generalversammlung soll sie indes keinen überzeugenden Eindruck hinterlassen haben. In ihrer Heimat war Bokowa, die aus der Familie eines hohen kommunistischen Funktionärs stammt, von Anfang an umstritten. Die Unesco-Chefin, die in Moskau studiert hat, höre zu stark auf Russland, monieren Kritiker. Sie war noch unter der früheren, sozialistisch dominierten Regierung ausgewählt worden. Bokowa teilte am Mittwoch mit, sie halte an ihrer Bewerbung fest.

Hartnäckig halten sich Gerüchte, wonach hinter den Kulissen versucht wird, Moskau dazu zu bewegen, kein Veto gegen die neue bulgarische Kandidatin einzulegen. Borisow telefonierte am Dienstag angeblich mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin. Überzeugungsarbeit leistete laut Medienberichten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, was Berlin allerdings dementierte. Georgiewa dürfte in Moskau auf Vorbehalte stossen, weil sie eine Institution vertritt, die harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland erlassen hat. Die promovierte Ökonomin war schon Anfang 2016 als Kandidatin im Gespräch. Sie sah damals aber mit Verweis auf ihre Aufgaben bei der EU von einer Kandidatur ab.

Unmut im Guterres-Lager

Dass Georgiewa jetzt doch ihren Hut in den Ring wirft, stösst insbesondere in Portugal, der Heimat eines der aussichtsreichsten Aspiranten, Antonio Guterres, auf Unverständnis. Der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa sprach von einem Marathonlauf, bei dem ein Bewerber erst auf den letzten 100 Metern teilnehme. Er spielte damit auf das weit fortgeschrittene Bewerbungsverfahren an. Ein früherer Präsident der Uno-Generalversammlung, Diogo Freitas do Amaral, schimpfte, man hätte sich das vorherige, vorgeblich demokratische Verfahren ersparen können. Wer sich der Illusion eines vollends transparenten Prozesses hingab, muss erkennen, dass die Vetomächte auch bei dieser Wahl die Fäden ziehen.

Wie sich Bulgariens Strategiewechsel auswirkt, wird die nächste Abstimmung des Sicherheitsrats von Anfang Oktober zeigen. Bei den beiden letzten Urnengängen erhielt Guterres, der ehemalige Chef des Uno-Flüchtlingshilfswerks, am meisten Stimmen. Ihm folgten der ehemalige Aussenminister Serbiens Vuk Jeremic und der slowakische Aussenminister Miroslav Lajcak.