REUTERS/Gonazlo Fuentes

Terror

Paris im Ausnahmezustand

von Rudolf Balmer / 14.11.2015

Bei mehreren fast gleichzeitigen Terroranschlägen sind am Abend im Zentrum von Paris und beim Stade de France in Saint-Denis vermutlich mehr als 120 Menschen getötet worden. Im Konzertsaal Bataclan haben die Attentäter ein Massaker angerichtet. Die aktuellsten Informationen finden Sie in unserem Sonderbriefing.

Die französische Hauptstadt ist am Freitagabend zum Kriegsschauplatz geworden. Mitten in Paris, im Quartier rund um die sehr symbolträchtige Place de la République im 10. und 11. Arondissement haben schwer bewaffnete Unbekannte, die laut Augenzeugen in schwarze Overalls gekleidet waren, aus einem Auto an mindestens vier Stellen, an der Rue Bichat, auf der République, an der Rue Charonne sowie vor dem Konzertsaal Bataclan und der Bar Le Carillon aus automatischen Waffen das Feuer wahllos auf Passanten eröffnet. An diesem Freitag waren am Abend noch viele Leute auf der Straße und auf den Terrassen der Cafés.

Parallel zu diesen blutigen Ereignissen im Zentrum verübten zwei Selbstmordattentäter Anschläge im Sportstadion in Saint-Denis im Norden von Paris. Dort sollen drei Menschen gestorben sein. Während der Fernsehübertragung des Fußball-Freundschaftsmatchs Frankreich-Deutschland aus dem Stadion hörte man deutlich kurz nacheinander zwei Detonationen. Der anwesende Staatspräsident Hollande wurde aus der Tribüne in Sicherheit gebracht. Die fast 80.000 Zuschauer versammelten sich am Ende des Matchs, nachdem sie von den Attentaten erfahren hatten, zuerst in panischer Angst auf dem Spielfeld und wurden dann gruppenweise evakuiert.

Geiselnahme in Konzertsaal

Vier der Terroristen waren währenddessen nach einer Schießerei in den Straßen in den Konzertsaal Le Bataclan eingedrungen, wo sie mehrere hundert Besucher als Geiseln nahmen. Ein Mann, der zusammen mit anderen fliehen konnte, berichtete, die Angreifer hätten sofort damit begonnen, auf das Publikum im Saal zu schießen. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Polizei beschloss, diesen bekannten Veranstaltungsort zu stürmen. Wie der Polizeipräfekt Michel Cadot am Samstagmorgen mitteilte, haben sich drei Attentäter im Konzertsaal mit Sprengstoffgürteln in die Luft gesprengt, als die Polizei einrückte. Sie hatten ein fürchterliches Blutbad angerichtet. Es soll allein im Bataclan 100 Tote gegeben haben.

Am frühen Samstagmorgen sprach die Staatsanwaltschaft von insgesamt wahrscheinlich über 120 Opfern; fünf Attentäter seien neutralisiert worden. Es handelt sich auf jeden Fall um die schwerste Terrorserie der letzten Jahrzehnte in Frankreich. In ersten Analysen wird spekuliert, dass es sich um Aktionen von Dschihadisten als Rache für Frankreichs militärische Intervention gegen IS in Syrien und im Irak handelt.

In einer kurzen Fernsehansprache sagte Staatspräsident Hollande sichtlich erschüttert zu dieser Tragödie, es sei ein „Horror“. Er ordnete für ganz Frankreich den Notstand an, der der Polizei Vollmachten gewährt. Zudem werden die Grenzen kontrolliert und überwacht. Hollande forderte Militäreinheiten zur Verstärkung der Sicherheitskräfte an. In der Region Paris bleiben am Samstag alle Schulen geschlossen.