The Washington Post

Presseschau zur US-Präsidentschaftswahl: „Eine hässliche Debatte“

von Sereina Capatt / 10.10.2016

Donald Trump und Hillary Clinton lieferten sich ein erbittertes Wortgefecht im zweiten TV-Duell in der Nacht auf Montag. Die internationale Presse sieht Clinton als Siegerin – kritisiert die Show aber für ihre Niveaulosigkeit.

Das zweiten Fernsehduell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump wird in der internationalen Presse als dreckig und niveaulos deklariert. Zwar schlug sich Trump besser als in der ersten Debatte und Clinton wirkte erneut gut vorbereitet. Doch Beleidigungen und persönliche Angriffe überschatteten politische Anliegen.

Die „Washington Post“ schreibt von einer schwarzen Debatte:

„Bei der zweiten Präsidentschaftsdebatte am Sonntagabend in St. Louis ging es hässlich zu, da die beiden Nominierten Beleidigungen austauschten und sich gegenseitig unterbrachen. Der Republikaner Donald Trump warf Hillary Clinton ‹inneren Hass› vor und illustrierte dies damit, dass die Hälfte ihrer Anhänger bedauernswert seinen. Clinton im Gegenzug beschuldigte Trump in einer verdrehten Realität zu leben. Besonders bitter wurde die Debatte gegen Ende.“„The Washington Post“, englisch

Trumps Video als zentrales Thema in den US-Medien

Auch die „New York Times“, die kürzlich eine offizielle Wahlempfehlung für Hillary Clinton abgab, beurteilt die Fernsehdebatte in einem Kommentar kritisch. Die Veröffentlichung des Videos vom Freitag, in dem Trump als sexueller Aggressor in Verruf kam, ist weiterhin Thema:

„Frau Clinton präsentierte sich einmal mehr als Erwachsene auf der Bühne und als die Einzige, die die Mehrheit der Amerikaner von ihren Werten und Bestrebungen überzeugen will. Herr Trump hingegen fiel zurück in die Tricks, die er seit Jahren aus TV-Reality Shows kennt. Das Video vom Freitag zeigte, dass der Republikaner seinen einflussreichen Status gegenüber Frauen missbrauchte. Nun stolpert er, und eine Frau ist erfolgreicher als er.“ The New York Times, englisch

Die auflagestärkste Zeitung der USA, „The Wall Street Journal“, spricht von einer fesselnden Debatte mit fragwürdigen Auswirkungen auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl:

„Das war eine der erinnerungswürdigsten Debatten in der Geschichte. Sie zeigte zwei der unbeliebtesten Kandidaten, die sich gegenseitig Vorwürfe machten. Das oft zitierte Video, dass Trumps sexuellen Angriffe bekannt machte, war häufig Ausgangspunkt der Beschuldigungen. Dennoch stellte sich Trump besser an, als in der ersten Debatte. Die angriffige Politik der beiden dürfte keine grossen Folgen haben, ausser einer noch unappettitlichere, nächste Debatte.“The Wall Street Journal, englisch

Internationale Medien uneinig über Trumps abschneiden

Auch in den Medien ausserhalb der USA wurde die Fernsehdebatte als niveaulos beurteilt. Die konservative Londoner Zeitung„The Daily Telegraph“ schreibt:

Die US-Präsidentenwahl ist ein trauriges Spektakel. Beide Kandidaten sind mit Makeln behaftet, keiner geniesst sonderlich viel Vertrauen oder ist besonders beliebt. Da müssen wir uns schon fragen, wieso die älteste und mächtigste Demokratie der Welt nicht in der Lage ist, besseres Material für ihren Präsidenten zu finden.“ – The Daily Telegraph, englisch

Die linksliberale französische Tageszeitung „Libération“ sieht durch die Veröffentlichung des Videos vom Freitag und der zweiten Debatte, ein Wendepunkt von Trumps Akzeptanz bei den Wählern:

„Bis Freitag waren Programm und Haltung Trumps für eine grosse Zahl republikanischer Verantwortlicher offensichtlich kein Problem. Aber die Marionette ist ihnen entglitten. Trump hat das Herz der republikanischen und konservativen Wählerschaft angegriffen, eingeholt von seiner Vergangenheit und seinen realen oder erträumten Übergriffen auf verheiratete, wahrscheinlich weisse Frauen. Trotz seiner Entschuldigungen und der Unterstützung der Basis der Republikaner hat er an diesem Wochenende wohl seine Chancen belastet, auf Obama zu folgen. Vor allem hat er es geschafft, die republikanische Partei zur Explosion zu bringen (…).“Libération, französisch

Die deutsche Zeitung, „Die Zeit“, sieht in Donald Trumps zweiten Auftritt jedoch noch kein Untergang:

Für Donald Trump war das zweite TV-Duell kein Desaster. Allein das ist schon eine bemerkenswerte Leistung. Zwar war er seiner Rivalin in den ersten zwanzig Minuten klar unterlegen – besonders seine Ankündigung, Hillary Clinton strafrechtlich verfolgen zu lassen, dürfte noch ein Nachspiel haben. Doch im Laufe der Debatte konnte er die Diskussion um das Skandalvideo abschütteln. Stattdessen attackierte er Clinton für ihre bezahlten Reden vor Großbanken und ihre in seinen Augen viel zu lasche Einwanderungspolitik.“ – Die Zeit

Rekordzahl an Tweets

Trotz des häufig betonten tiefen Niveau der Debatte, wurde dem Fernsehduell vor allem auch auf sozialen Medien viel Aufmerksamkeit geschenkt. Laut einem einem Twitter-Sprecher sind über 17 Millionen Kurznachrichten zu dem Fernsehduell abgesetzt worden, ein neuer Rekord für amerikanische Präsidentschaftsdebatten. Unter dem Hashtag #debate twitterte „FiveThirtyEight“, eine englischsprachige Webseite mit Kommentaren zu Politik, Wirtschaft und Sport, eine Übersicht zu der Anzahl Unterbrechungen der Kandidaten während der Debatte:

Der amerikanische Nachrichtensender „CNN“ twittert ein Video zur Aussage Trumps, dass er Clinton ins Gefängnis bringen werde. Der CNN Autor zieht Vergleiche mit der Watergate-Affäre Präsident Nixons.

Die Richter der „Los Angeles Times“ sehen Hillary Clinton auch in der zweiten Debatte Form. Auf Twitter verkünden sie ihr Urteil: