Laurent Dubrule

Rache an Camerons Nachfolgerin: Der Memoiren-Krieg hat begonnen

von Beat Bumbacher / 05.10.2016

Zwei Bücher von Vertrauten des Ex-Premierministers Cameron erheben schwere Vorwürfe gegenüber dessen Nachfolgerin Theresa May: Sie sei die Hauptschuldige am Ausgang des Brexit-Referendums.

David Camerons Karriere ist mit dem Brexit-Votum in Grossbritannien zu einem abrupten Ende gekommen. Mit dem Referendum über den EU-Austritt war er eine Wette eingegangen, die spektakulär verloren ging. Doch zeichnet sich ab, dass der frühere Premierminister nicht daran denkt, den Ruf des politischen Hasardeurs auf sich sitzen zu lassen. Den Startschuss dazu bilden zwei Bücher, welche Anhänger Camerons verfasst haben und die von britischen Sonntagszeitungen in Auszügen veröffentlicht worden sind. Sie geben einen Vorgeschmack darauf, was im kommenden Krieg der Memoiren noch alles bevorstehen könnte.

Beide Autoren zeigen nämlich mit dem Finger auf die angeblich wahre Schuldige des Desasters: Theresa May, Camerons Nachfolgerin in der Downing Street. Ihr wird von Camerons Getreuen Feigheit vorgeworfen, weil sie es im Abstimmungskampf vor dem Referendum tunlichst vermieden habe, sich zu exponieren. Sir Craig Oliver, Camerons einstiger Kommunikationschef, schreibt in seinen Erinnerungen, am Regierungssitz habe die damalige Innenministerin den Übernamen „Unterseeboot May“ getragen, weil sie in der Debatte über den EU-Austritt auf Tauchstation gegangen sei. Cameron habe schon damals die Vermutung geäussert, dass Mays halbherzige Unterstützung der EU-Mitgliedschaft ein taktischer Schachzug sei, von dem sie hoffe, dass er sie am Ende an die Regierungsspitze führen werde.

Das Buch Olivers trägt den Titel „Den Drachen entfesseln: Die Insider-Geschichte der Brexit-Abstimmung“. Tim Shipman, ein anderer Mitarbeiter Camerons, schreibt in seinen Memoiren unter dem martialischen Titel „Der totale Krieg“, dass Theresa May und weitere Kabinettsmitglieder Cameron davon abgehalten hätten, bei der EU auf eine Schutzklausel bei der Immigration zu drängen; dies sei die entscheidende verpasste Chance gewesen, die den Ausschlag für einen Verbleib in der EU hätte geben können. Doch das alles ist erst ein Vorgeplänkel. Denn David Cameron ist bereits dabei, seine eigenen Memoiren zu verfassen.