Imago

Rumäniens Ex-König hat Ärger: Majestät am Steuerpranger

von Marco Kauffmann Bossart / 12.07.2016

Michael I. ist schon eine Weile nicht mehr König von Rumänien. Jetzt sitzt ihm das Steueramt im Nacken, doch der Ex-Monarch pocht auf alte Privilegien. Es geht um Schlösser und Holzhandel.

Rumäniens früherer Monarch, Michael I., hat Ärger mit dem Steueramt. Wie das Nachrichtenportal Romania-Insider berichtete, nimmt der 94-Jährige auf einer Liste säumiger Steuerzahler einen Spitzenplatz ein. Der Abkömmling des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen, der nach der Machtübernahme der Kommunisten vor 69 Jahren abdanken musste, schuldet dem Staat demnach 4,1 Mio. Lei (1 Mio. Fr.). Am Steuerpranger mit 187 230 Namen befindet sich der Ururenkel der britischen Königin Victoria in illustrer Gesellschaft. Angeführt wird die vom rumänischen Fiskus veröffentlichte Schmähliste vom Bürgermeister des 5. Bukarester Bezirks. Dieser soll bei Geschäften mit Privatwohnungen die Mehrwertsteuer hinterzogen haben.

Beim Ex-Monarchen geht es um eine Immobilie der gehobenen Art. Der königliche Haushalt besteht allerdings darauf, dass Schloss Savarsin in Westrumänien unter eine Klausel fällt, die Kriegsveteranen begünstigt. Michael I., der schon als Fünfjähriger gekrönt wurde und nach einem zehnjährigen Intermezzo 1940 abermals den Thron bestieg, hatte einigen Anteil am abrupten Wechsel Rumäniens vom Lager der Achsenmächte auf die Seite der Alliierten. Im Urteil von Historikern trug er damit zu einer Verkürzung des Zweiten Weltkrieges bei. Das Schloss falle nicht unter die Steuerpflicht, befand der Gemeindepräsident von Savarsin. Das Anwesen sei erst dann zu berücksichtigen, wenn Prinzessin Margareta ihr Erbe antrete, befand der lokale Würdenträger.

Nur wird über Gesetze und deren Anwendung nicht in der Provinz entschieden, sondern in der Hauptstadt Bukarest. Auch beschränken sich die Steuersorgen der Majestät mit einem Zweitwohnsitz in der Schweiz nicht auf den Liegenschaftsbereich. Probleme gibt es ferner mit Holzgeschäften. Das Finanzamt pocht auf Nachzahlung von 438 000 € Mehrwertsteuer und Verzugszinsen in derselben Grössenordnung. Diese erste Schlacht hat der Veteran jetzt verloren. Das Bukarester Appellationsgericht wies Michaels Klage auf Streichung der Steuerschuld zurück. Das Urteil ist nicht letztinstanzlich.