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Randnotiz: Rumänien

Rumäniens inhaftierte Politiker schreiben sich in die Freiheit

von Bernhard Schinwald / 04.11.2015

Gefängnisinsassen in Rumänien können sich seit 2013 gewissermaßen per Gesetz „freischreiben“. Pro akademischer Veröffentlichung wird die Vollzugsdauer um 30 Tage verkürzt. Wie The Economist kürzlich berichtete, verbringen viele ehemalige Politiker und Magnaten, die wegen Korruption einsitzen, ihre Haft nun schreibend. Der frühere Premier Gheorghe Copos etwa beschäftigte sich mit der Heiratspolitik der rumänischen Herrscher im Mittelalter.

Ursprünglich war für diese Hafterleichterung ein Begleitgesetz geplant, das genaue Richtlinien festlegt, um die Qualität der Arbeiten sicherzustellen. Dieses Gesetz wurde jedoch bis heute nicht beschlossen, wodurch so ziemlich alles akzeptiert wird, was die Federn der Häftlinge hergeben. Gigi Becali, ehemaliger Europaabgeordneter und Eigentümer des Fußballvereins Steaua Bukarest, soll sein Verhältnis zum Verein in einem dicht bebilderten Buch festgehalten haben. Und Copos’ Arbeit steht bereits jetzt unter Plagiatsverdacht.

Heute hat der amtierende Premier Victor Ponta seinen Rücktritt angekündigt. Auch gegen ihn wird wegen Korruption ermittelt. Wird Ponta zu einer Haftstrafe verurteilt, könnte also auch er demnächst zu schreiben beginnen. Zu hoffen bleibt nur, dass er als Jurist (Spezialgebiet Strafrecht) seine Arbeiten dann nützlicheren Themen widmet. Richtlinien zur Qualitätssicherung von akademischen Arbeiten von Gefängnisinsassen, zum Beispiel, könnte Rumänien gerade gut gebrauchen.