Schießerei in München: Tote und Verletzte in Einkaufszentrum

von Stephanie Lahrtz / 22.07.2016

Die Männer erschiessen in und vor einem gut besuchten Einkaufszentrum unbeteiligte Passanten. Dann fliehen die Schützen. Über die Täter und ihr Motiv herrscht Unklarheit.

München befindet sich seit dem späten Freitagnachmittag im Ausnahmezustand: Bei einer Schiesserei im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Norden von München sind am frühen Freitagabend mindestens drei Menschen getötet worden. Manche Quellen meldeten sechs Tote. Die Polizei geht von einer Terrorattacke aus. Gemäss offiziell bestätigten Augenzeugenberichten trat um 17 Uhr 52 ein Mann aus einer McDonalds-Filiale gegenüber des OEZ und „begann, seelenruhig auf Passanten direkt vor ihm und seiner näheren Umgebung zu schiessen“ so erzählte eine Frau. Parallel dazu schossen offenbar mindestens zwei weitere Männer im Inneren des OEZ auf Besucher.

Nach den jeweils mehreren Schüssen flüchteten laut der Polizei die Täter, sie waren vermutlich mit Langwaffen ausgerüstet. Bis Redaktionsschluss waren die Täter weiterhin trotz eines Grossaufgebots der Polizei nicht gefasst. Aus ganz Bayern wie auch benachbarten Bundesländern wurden Polizeibeamte nach München entsandt. Angesichts der Tatsache, dass es mehrere Täter waren und die Flucht ebenso wie die Taten offenbar gut geplant und aufeinander abgestimmt waren, gehen die Polizei München sowie andere Sicherheitsexperten nicht von einem Amoklauf aus. Das OEZ ist eines der grössten Einkaufszentren Münchens, gerade am späten Freitagnachmittag ist es in der Regel sehr gut besucht. In den Augen von Terroristen also ein ideales Anschlagsziel.

Ab dem frühen Abend war der gesamte öffentliche Nahverkehr eingestellt. Der Hauptbahnhof wurde evakuiert, Züge durften München nicht mehr anfahren. Taxifahrer wurden aufgefordert, keine fremden Passagiere mehr aufzunehmen, auf der Autobahn nahe dem OEZ wurde jedes Fahrzeug kontrolliert. Die Polizei forderte die Münchner via Twitter und allen anderen verfügbaren Kanälen mehrfach auf, umgehend Strassen und Plätze zu verlassen, Passanten flüchteten in Geschäfte. An vielen Plätzen der Innenstadt brach nach Verbreitung der Tat via Internet und Radio immer wieder Panik aus, über Social Media wurden angebliche weitere Schiessereien gemeldet, die später jedoch von Polizei wie Feuerwehr dementiert wurden.

Noch ist unklar, wie viele Personen verletzt wurden, aber auf Anordnung der Stadt haben sämtliche Münchner Spitäler Ärzte und Pflegepersonal einberufen. Ab halb neun flogen zum Beispiel Helikopter viele Male das im Süden der Stadt gelegene Uniklinikum Grosshadern. Den ganzen Abend über brodelte die Gerüchteküche, so soll sich einer der Täter selber gerichtet haben, ein anderer auf einem Parkdeck von Anwohner gefilmt worden sein.