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Russland

Schöne Bescherung für Putin-Fans

von Ivo Mijnssen / 30.12.2015

Alle Russen, die das Gefühl haben, ihr Präsident sei in ihrem Alltag zu wenig vertreten, können aufatmen. Pünktlich zu Weihnachten gibt es ein Putin-Buch, einen Kalender und sogar ein Putin-Parfum.

Weihnachten ist für Geschenke da. Dies sagten sich wohl auch die Führer der russischen Jugendorganisation „Set“ (Netzwerk) – und schenkten über tausend Politikern und wichtigen Beamten eine Sammlung von Wladimir Putins wichtigsten Reden und Zitaten. „Worte, welche die Welt verändern“, heißt das 400-seitige Opus. Der Projektverantwortliche bei „Set“, Anton Wolodin, begründete die Publikation mit der prophetischen Qualität von Putins Worten: „Als wir vor einem Jahr eine seiner frühen Reden lasen, bemerkten wir, dass die Voraussagen genau stimmten. Deshalb überprüften wir all seine anderen Reden. Es zeigte sich, dass fast alles, was er gesagt hat, entweder wahr geworden ist oder aber in diesem Moment auf dem Weg dazu ist.“

Zahlreiche Putin-Perlen

Das Titelbild des neuen Putin-Zitatebuchs
Credits: Komsomolskaja Prawda

Abgesehen vom zweifelhaften empirischen Wert dieser Aussage ist ihr Absender nicht besonders neutral. „Set“ ist die Nachfolgerin der berüchtigten Jugendorganisation „Naschi“ (Die Unsrigen), allerdings mit einer noch Putin-näheren Ausrichtung: Die Unsrigen verloren den Goodwill des Präsidenten, da sie mit kontroversen und teilweise gewaltsamen Aktionen, etwa während der Auseinandersetzungen um den „bronzenen Soldaten“ mit Estland 2007, weltweit für Negativschlagzeilen sorgten. „Set“ hingegen gibt sich bescheiden. In ihrem Manifest nennt sie Putin den „Vater“ der Nation, den man gegen seine Feinde unterstützen müsse. Entsprechend großzügig ist auch die finanzielle Unterstützung durch die Präsidialverwaltung: Seit ihrer Gründung hat die Bewegung laut Zahlen des Antikorruptions-Aktivisten Alexej Nawalnyj umgerechnet fast 920.000 Euro erhalten. Alleine im Dezember floßen knapp 138.000 Euro – offenbar primär zur Finanzierung des Buchprojekts.

Die in neunzehn Kapitel gegliederten Reden Putins stammen aus den Jahren 2003 bis 2014. Dazu kommen typische Putin-Zitate wie „Wir erwürgen sie mit unseren eigenen Händen“, „Ich schuftete wie ein Galeerensklave“ oder auch „Sie schlagen uns, aber wir werden stärker“. Zur Kategorie „staatstragend“ zu zählen sind Zitate wie „Demokratie ist kein Basar“, „Finden Sie es normal, dass man unser Land erniedrigt?“ oder „Russland ist für mich mein ganzes Leben“. Eher persönlich gefärbt und schwer überprüfbar muten hingegen Aussagen wie „Ich trinke Kefir“, „Ich handle weder mit Gas noch mit Joghurt“ und „Ich fasse mich kurz“ an.

Leider keinen Eingang in die Zitatsammlung fanden hingegen Putin-Klassiker wie „Wir müssen die Terroristen auf dem Scheißhaus abmurksen“ aus den Anfangszeiten seiner Präsidentschaft. Immerhin im Internet beginnen nun weitere Putin-Perlen zu kursieren, wie etwa sein Auftritt auf CNN nach dem Untergang der „Kursk“. Auf die Frage von Larry King, was mit dem U-Boot passiert sei, antwortete er schlicht: „Es ist gesunken.“

Noch mehr Putin!

All dies klingt bereits nach viel Putin in der festlichen Zeit, doch offenbar haben seine patriotischen Fans noch nicht genug. Die Feiertage, die wegen des traditionellen julianischen Kalenders in Russland erst dreizehn Tage später gefeiert werden, stehen schließlich erst vor der Tür. Die wahren Aficionados gönnen sich deshalb zusätzlich zum Buch, das erst im Januar in den freien Verkauf kommt, auch noch ein Putin-Parfum oder einen Putin-Kalender.

Den Duft „Leaders Number One“ gibt es seit Heiligabend in einem exklusiven Einkaufszentrum in Moskau für umgerechnet etwa 83 Euro zu kaufen. Auf der Flasche ist eine Silhouette abgebildet, die klar die Gesichtszüge Putins trägt. Das Parfum, das laut seinem Mischer Wladislaw Rekunow Zitrone, Bergamotte, schwarze Johannisbeere, Tanne, Zeder, Tonkabohnen und Moschus enthält, ist auch „von Wladimir Putin inspiriert“.

Laut Rekunow soll es Männlichkeit evozieren durch sein „luxuriöses, allgegenwärtiges, eindringliches, opulentes und natürliches Aroma“. Es sei „schillernd, Funken sprühend, elektrisierend, dominierend, auf faszinierende Weise abgerundet zwischen Wärme und Kühle, Güte und Strenge, Nächstenliebe und Beharrlichkeit“, erklärte er – also eigentlich genau wie Putin. Zudem ist es exklusiv auf 2.000 Flaschen limitiert. Wie viele davon bereits verkauft sind, ist unbekannt.

Für Frauen und für Patrioten

Ein veritabler Hit ist hingegen der Putin-Kalender für 2016. Von einer Boulevardzeitung herausgegeben, ist die Auflage von 200.000 Stück bereits fast ausverkauft. Der Kalender zeigt den Präsidenten in den verschiedensten Posen – mal mit Tieren, mal mit entblößtem Oberkörper, in der Kirche, mit Kindern und staatsmännisch vor dem Kreml. Auch diese Bilder sind von Zitaten gesäumt: Auf einer Fotografie riecht er an einer Blume und lässt verlauten: „Ich mag alle russischen Frauen. Ich finde persönlich, dass sie die talentiertesten und schönsten sind.“ Mit Béret und forschem Blick wird er hingegen im Oktober 2016 erklären: „Unsere Armee ist modern, effizient und – wie jetzt gesagt wird – höflich und beeindruckend.“ Die kaum verhüllte Anspielung auf die „grünen Männchen“, die 2014 die Krim annektierten, dürfte den Patrioten gefallen, das Blumenbild betont hingegen eher die sanftere Seite des Präsidenten.

Wladimir Putins Fans können sich jedenfalls auf die Festtage freuen. Das bereits in den letzten Jahren große Angebot an Artikeln ist noch einmal stark angewachsen. Und wer noch immer nicht genug Putin in seinem Leben hat, kann in Russland schließlich immer noch das Fernsehen einschalten, um seine Putin-Lust zu befriedigen. Dort ist der Präsident nämlich ebenfalls ständig präsent.