Darko Vojinovic / AP

Serbiens erste lesbische Ministerin: Homosexuelle Galionsfigur wider Willen

von Ivo Mijnssen / 16.08.2016

Mit der Technokratin Ana Brnabic wird in Serbien erstmals eine bekennende Homosexuelle zur Ministerin. Eine Aktivistin will sie aber nicht sein.

Als Ministerpräsident Aleksandar Vucic letzte Woche in Belgrad sein neues Kabinett vorstellte, fiel eine Personalie auf: Die vierzigjährige Ana Brnabic ist die erste bekennende homosexuelle Ministerin in Serbiens Geschichte. Die Ernennung erstaunt in einem Land, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung Homosexualität für eine Geisteskrankheit hält. Zudem machte Serbien in der Vergangenheit eher mit homophoben Angriffen auf Gay-Pride-Paraden Schlagzeilen als mit Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten.

Die „Gej Streit Alijansa“, die sich in Serbien für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzt, bewertete die Ernennung deshalb als historischen Moment. Sie lobte besonders, dass nicht die sexuelle Orientierung Brnabics, sondern ihre fachliche Qualifikation entscheidend gewesen sei. Tatsächlich ist Brnabic weder eine Berufspolitikerin noch eine Aktivistin, sondern eine Technokratin. Sie hat in England studiert und arbeitete jahrelang in führender Stellung für die staatliche amerikanische Entwicklungsorganisation USAID auf dem Balkan. Zudem präsidierte sie bis zu ihrer Ernennung zur Ministerin die Nationale Allianz für lokale Wirtschaftsentwicklung, die das Geschäftsklima in Serbien verbessern will und eine gute Partnerschaft mit Weltkonzernen pflegt.

Für Vucic ist Ana Brnabic somit doppelt nützlich, stärkt die international vernetzte Karrierefrau doch nicht nur die Glaubwürdigkeit seines europäischen Integrationskurses, sondern verleiht als bekennende Homosexuelle seiner Regierung gleich noch einen weltoffenen Anstrich. Ob sie dabei eher ein Feigenblatt ist oder Vucic wirklich konsequent Reformen und eine gesellschaftliche Öffnung anstrebt, wird sich weisen: Vucic fällt jedenfalls immer wieder negativ durch autoritäre Tendenzen auf. Klar ist, dass Brnabic als Ministerin für Verwaltung kein politisches Schwergewicht darstellt. In den Schlüsselministerien setzt Vucic stattdessen auf Kontinuität und eher dubiose Figuren, die weniger durch Transparenz und Weltoffenheit als durch ihre Verstrickungen in Korruptionsaffären und guten Beziehungen zur Mafia auffallen.