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Randnotiz: Frankreich

Streikwelle zu Beginn der Fußball-EM geplant

von Andres Wysling / 28.05.2016

Die radikalen Gewerkschaften in Frankreich zeigen sich entschlossen, an ihrer Eskalationsstrategie festzuhalten.

Der Chef der Confédération générale du travail (CGT), Philippe Martinez, rief zu einer Ausweitung der Streiks und Blockaden auf. Für den 14. Juni ist eine „mobilisation nationale“ angekündigt; und nötigenfalls will man auch noch länger kämpfen, bis die Regierung ihre Arbeitsmarktreform zurückzieht.

Voraussichtlich werden die Fußball-Europameisterschaft (10. Juni–10. Juli) und die Tour de France durch die Aktionen beeinträchtigt. Eigentlich will die Regierung die sportlichen Großveranstaltungen nutzen, um im Angesicht der Terrordrohung Normalität und Lebensfreude zu zelebrieren. Nun droht ein Szenario von Ärger statt Genuss.

Die Gewerkschaften zielen vor allem auf den Verkehr. Zwar wurde am Freitag eine weitgehende Normalisierung an den Tankstellen gemeldet, und es fielen weniger Züge aus als an den Tagen zuvor. Doch für kommende Woche sind Streiks im Luftverkehr sowie im Pariser Nahverkehr angekündigt; hier geht es auch um die Durchsetzung von Lohnforderungen.

Doch nicht alle Gewerkschaften tragen die Eskalation mit. Die große Confédération française démocratique du travail hält sich zurück und warnt vor einer „Hysterisierung“ des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ob die Streikwelle weiterrollt, dürfte nicht zuletzt von der Stimmung in der Öffentlichkeit abhängen – davon, ob die Franzosen die Blockaden lange ertragen oder nicht.