Tsipras nimmt Varoufakis in Schutz

von Panagis Galiatsatos / 17.03.2015

Der griechische Ministerpräsident Tsipras steht zu seinem Finanzminister, der jüngst mit heftiger Kritik, auch aus den eigenen Reihen, konfrontiert war. Ein Bericht von Panagis Galiatsatos aus Athen.

Am Sonntagnachmittag fand in Athen ein denkwürdiger Spaziergang statt. Alexis Tsipras und einige seiner Minister kamen in lockerer Stimmung aus dem Sitz des Ministerpräsidenten und marschierten den Garten des direkt danebenliegenden Präsidentenpalastes entlang. Zu dieser Gruppe gehörte auch der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. Anschließend scherten Tsipras, Varoufakis sowie Regierungssprecher Gavriil Sakellaridis aus dieser Gruppe aus und gingen zusammen bis zum Stadtviertel Pangrati, wo sie sich in einem Restaurant zum Mittagessen niederließen.

Die ungewöhnliche Geste hatte zum Ziel, die Unterstützung des griechischen Ministerpräsidenten für seinen Finanzminister zu demonstrieren. Tsipras bekräftigte diese Unterstützung auch bei einem Interview. Gegenüber der Tageszeitung To Ethnos nannte Tsipras die Berichte der internationalen Presse über eine mögliche Ersetzung des Finanzministers Wunschträume der Befürworter der Austeritätspolitik. Aus dem Umfeld des Ministerpräsidenten sickerte zur Presse durch, dass die Attacken der internationalen Medien gegen Varoufakis die linke Regierung zu destabilisieren versuchten.

Allerdings brandete dem Finanzminister in den vergangenen Tagen auch eine Welle der Kritik aus den eigenen Reihen entgegen. So erklärte der mächtige Mann des linken Flügels und Superminister für den Aufbau der Produktion, Panagiotis Lafazanis, dass die Verhandlungen mit den europäischen Partnern nicht ein persönlicher Akt des Finanzministers seien. Der einflussreiche Europaabgeordnete Dimitris Papadimoulis richtete seine Kritik auf das Auftreten des Finanzministers in den Medien, vor allem wegen eines Interviews mit dem französischen Paris Match. Die Lifestyle-Fotos des Finanzministers und seiner Frau in ihrem Haus gegenüber der Akropolis machten in Griechenland nicht den besten Eindruck. Parteiintern wird Varoufakis allerdings auch wegen seiner angeblichen Konzessionen an die Gläubiger kritisiert. Seine jüngste Äußerung, dass die Regierung die Realisierung ihres Programms bis zum Erreichen eines Abkommens mit den Gläubigern einfrieren sollte, wurde in der Partei mit Missfallen zur Kenntnis genommen.

Schwerer für Varoufakis wiegen allerdings sein gestörtes Verhältnis zu seinem deutschen Kollegen Schäuble und zu Deutschland sowie die desolate Finanzlage Griechenlands. Den Stoff für Diskussionen liefert der Minister dabei gewöhnlich selbst, wie jüngst mit seinem Auftritt bei der ARD-Talkshow „Günter Jauch“. In dieser Sendung wurde ein Video aus einer Veranstaltung in Zagreb im Jahr 2013 gezeigt, wo Varoufakis sagt, dass Griechenland schon im Januar 2010 den Bankrott hätte erklären sollen, und er fügte hinzu: „Es sollte Deutschland den Vogel zeigen und sagen, jetzt könnt ihr das Problem alleine lösen.“ Varoufakis behauptete, dass dieses Video eine Fälschung sei und dass er nie so etwas gesagt habe. Dem widersprach aber die Produktionsfirma der Sendung, die das Video untersuchen ließ und keine Anzeichen von Fälschung feststellte.

Die Glaubwürdigkeit des Finanzministers in Deutschland wurde durch diesen Auftritt nicht gestärkt. In Griechenland versuchten die Medien, auch diese Affäre als eine weitere Episode im Krieg, den die deutschen Medien gegen Varoufakis führen, zu verkaufen. Allerdings hat Varoufakis in den bilateralen Beziehungen Schaden angerichtet. Nun wird ein Versuch unternommen, Verständigung auf höchster Ebene zu erreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Alexis Tsipras telefoniert und ihn nach Berlin eingeladen. Das Treffen findet am Montag statt.