Über die Not der griechischen Banken

von Marco Kauffmann Bossart / 04.02.2015

Der Regierungswechsel in Athen hat den griechischen Banken zugesetzt. Ohne Lösung im Schuldenstreit wird sich ihre Lage noch verschärfen, berichtet NZZ-Korrespondent Marco Kauffmann Bossart.

An der griechischen Börse hat sich der Sturm gelegt. Nach dem Absturz der vergangenen Woche haben die Kurse der systemrelevanten Banken (Alpha Bank, Piräus Bank, National Bank of Greece, Eurobank) ihre Verluste teilweise wettgemacht. Doch dürfte dies bloß ein schwacher Trost sein; an zahlreichen Fronten halten die Turbulenzen unvermindert an. Seit im Dezember Neuwahlen angesetzt wurden und sich dadurch die politische Unsicherheit verschärfte, ziehen, wie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, beunruhigte Kunden ihre Gelder ab. Im Dezember flossen gemäß Angaben der Zentralbank 5,4 Milliarden Euro ab, im Januar sollen laut Schätzungen von Analytikern gegen 11 Milliarden Euro Einlagen dem griechischen Bankensystem entzogen worden sein.

Anhaltender Mittelabfluss

Die Ratingagentur S&P rechnet mit einem anhaltenden Mittelabfluss und stuft die Liquiditätsposition der vier wichtigsten Banken als „sehr schwach“ ein. Die schwere Rezession – in den vergangenen sechs Jahren wurde ein Drittel der Wirtschaftsleistung ausradiert – hat zudem den Anteil der faulen Kredite in die Höhe getrieben. Inzwischen gelten zwischen 35 Prozent und 40 Prozent der Ausleihungen als gefährdet.

Über Wasser halten sich griechische Banken dank der Rettungsleine der Europäischen Zentralbank (EZB). Den Zugang zu normalen Refinanzierungsquellen der EZB würden sie verlieren, wenn Athen nicht länger in ein Sanierungsprogramm eingebunden wäre. Das von der Vorgängerregierung mit der Troika aus EZB, IMF und EU-Kommission ausgehandelte Rettungspaket läuft am 28. Februar aus. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis pocht auf einen neuen Deal ohne Troika. Doch ist das hierfür zur Verfügung stehende Zeitfenster ausgesprochen klein. Ohne Anschlusslösung müsste auch ungenutzte Bankenhilfe von 10 Milliarden Euro an den Krisenfonds der Euro-Staaten zurückgegeben werden. Unsicherheit schafft auch der Umstand, dass der radikale Flügel der linken Regierungspartei SYRIZA die Banken stärker an die Kandare nehmen möchte. Über den griechischen Bankenrettungsfonds, Hellenic Financial Stability Fund (HFSF), der von einer früheren Sanierung stammt, hält der Staat schon heute substanzielle Anteile an den Branchenführern.

Erste Rücktritte

Bis jetzt besitzt der HFSF keine Stimmrechte, was sich allerdings über eine Gesetzesrevision ändern ließe. Und nicht auszuschließen ist, dass sich die Regierung Tsipras, die unerschütterlich an eine staatlich gelenkte Wirtschaft glaubt, die Banken drängen wird, Kredite an strukturschwache Branchen zu vergeben, um damit bedrohte Arbeitsplätze zu erhalten.

Am Freitag erklärten der CEO und der Konzernchef der Eurobank nach einem Gespräch mit dem für Wirtschaftsfragen zuständigen Vizeministerpräsidenten, Yannis Dragasakis, ihren Rücktritt. Die Ablösung, der eine Unterredung über die Zukunft der Bank vorausgegangen war, sei nicht von der Regierung initiiert worden, stellte Dragasakis fest.

Bei der europaweiten Bankenprüfung der EZB waren im vergangenen Oktober drei der vier systemrelevanten Akteure Griechenlands durchgefallen. Ihnen fehlten insgesamt 9 Milliarden Euro an Eigenmitteln. Einzig die Deckung der Alpha Bank wurde für genügend befunden. In der ersten Jahreshälfte 2014 waren die Großbanken noch in der Lage, bei internationalen Investoren neues Kapital zu gewinnen.