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Randnotiz

Van der Bellen und der Volkskonsens

von Bernhard Schinwald / 04.03.2016

Der Präsidentschaftskandidat und erklärte EU-Befürworter Alexander Van der Bellen hat die Union und deren Entscheidungsfähigkeit kritisiert. Die gute Nachricht für ihn: Sein potenzielles Wahlvolk sieht das ähnlich, wie die neueste Eurobarometer-Erhebung zeigt. Demnach haben nur mehr 26 Prozent der Befragten Vertrauen in die EU. Rund 60 Prozent sprechen sich aber jeweils weiter für eine gemeinsame Währungs-, Wirtschafts-, Außen-, Verteidigungs- und (ja, auch) Flüchtlingspolitik aus.

Man könnte Van der Bellen mit seiner Kritik also glatt Opportunismus unterstellen. Dann zeigt sich aber, dass die Befragten aus den anderen EU-Ländern von der Haltung der Österreicher nicht sonderlich abweichen, und das eigene Gefühl wird mit dieser Haltung auch ziemlich bestätigt, sodass sich – allen nonkonformistischen Versuchungen zum Trotz – die Frage aufdrängt, ob, wenn alle das Gleiche sagen, nicht doch alle einfach recht haben.

Van der Bellen wäre dann also nichts vorzuwerfen. Nur: Die Bundesregierung müsste er dann auch kritisieren, denn die genießt nach selbiger Studie auch nur 33 Prozent des Volksvertrauens. Aber das tut er ja ohnehin.