Von Panik (noch) keine Spur

von Lukas Sustala / 26.01.2015

Der Wahlsieg von SYRIZA ist an den Finanzmärkten ohne große Aufregung zur Kenntnis genommen worden. Andere Neuigkeiten überwiegen, und eine mögliche politische Krise in Griechenland hätte wegen der gekappten Verflechtung mit internationalen Gläubigern wenig Auswirkungen.

Angekündigte Katastrophen finden nicht statt, heißt es ja oft. Am Montag reagierten die Finanzmärkte ohne große Aufregung auf die griechischen Wahlen, die den zu erwartenden, wenn auch etwas deutlicher ausgefallenen Sieg des Linksbündnisses SYRIZA brachte. Oder, wie es der Bankökonom Frederik Ducrozet von Crédit Agricole schreibt:

Die großen Leitbörsen reagierten kaum über der Wahrnehmungsschwelle. Vom Eurostoxx bis zum Dax verzeichneten die Aktienmärkte leichte Gewinne. Der Euro hat in einer ersten Reaktion etwas nachgegeben, notierte am Montag aber wieder über 1,12 gegen den US-Dollar.

Wie immer muss man die Schlagzeilenkultur vieler Finanzmedien (Syriza siegt … und an den Börsen geht’s mal bergabLinksruck in Griechenland: Euro fällt nach Syriza-Sieg auf tiefsten Stand seit elf Jahren) mit Vorsicht genießen. Auf die Kurse wirken immer viele Faktoren gleichzeitig (aktuell etwa die EZB-Anleihenkäufe oder neue europäische Wirtschaftsdaten) und es ist in den meisten Fällen unredlich, klar kausale Zusammenhänge aus ganz kurzfristigen Kursbewegungen zu ziehen.

In jedem Fall ist klar, dass der Einfluss Griechenlands für die europäischen Kapitalmärkte heute höchst gering ist. Denn ein Gros der Schulden, die – im erneuten Krisenfall – geschnitten werden müssen, liegt bei staatlichen Institutionen, nicht etwa Banken oder Investoren.

Damit scheint ein Dominoeffekt wenig wahrscheinlich. In Griechenland selbst führt die politische Kehrtwende zum Teil zu deutlichen Bewegungen, allerdings haben auch dort die Aktien- und Anleihenmärkte nach Verlusten wieder Boden gutgemacht. Der Aktienmarkt notiert nahezu unverändert. Die zehnjährige Anleihenrendite ist leicht gefallen, auf 8,6 Prozent.