Abdalrhman Ismail / Reuters

Waffenströme in den Bürgerkrieg: Viele Wege führen nach Syrien

von Monika Bolliger / 16.08.2016

Syrien steht im Fokus des internationalen Schwarz- und Graumarktes für Waffen. Russland schickt derweil Waffen auf regulärem Weg nach Damaskus und nutzt den Krieg zur Werbung für Rüstungsexporte.

Aus mindestens 25 Ländern stammen die Waffen, mit denen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) kämpft. Zu diesem Schluss kam eine Ende 2015 veröffentlichte Studie der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Der Bericht erwähnt als Herkunftsländer unter anderem die Vereinigten Staaten, Russland, China oder Mitgliedsländer der EU. Der IS hat den grössten Teil seiner Waffen aus irakischen Waffenlagern ergattert.

Seit Jahrzehnten fliessen Waffen in grosser Zahl in den Irak, zunächst zur Zeit des Krieges zwischen Iran und dem Irak, und eine zweite Welle begann nach der amerikanischen Invasion von 2003. Die konventionellen Waffen des IS sind laut Amnesty mehrheitlich russischer und chinesischer Herkunft und stammen aus den Jahren zwischen 1970 und 1990. Die Vereinigten Staaten schlossen in jüngerer Zeit Waffenlieferungsabkommen mit Bagdad in Milliardenhöhe ab. Korruption und fehlende Kontrollmechanismen, so Amnesty, stellten ein ständiges Risiko dar, dass solche Waffen in die Hände von Gruppen wie dem IS gerieten.

Auch die Aufständischen der ersten Stunde in Syrien erwarben viele ihrer Waffen anfänglich von korrupten Offizieren der syrischen Armee. Deserteure brachten ihre Waffen mit. Daneben beschafften sich die Rebellen Waffen über improvisierte Schmuggelnetzwerke aus den Nachbarländern. In manchen Gebieten hatten Teile der Bevölkerung ohnehin Waffen – Stämme, Jäger, Schmuggler. Waffenlieferungen im grösseren Stil kamen dann primär aus zwei Richtungen: aus Südosteuropa und aus Libyen. Laut dem amerikanischen Think-Tank Stratfor war Washington indirekt in die Sendungen von Waffen aus Libyen involviert, welche in die Türkei geflogen und dort über die Grenze gebracht wurden.

Finanziert werden die Waffenlieferungen an die Gegner Asads von Katar, Saudiarabien oder der Türkei sowie von privaten Spendern, etwa am Golf oder in Libyen. Washington versucht, die Lieferungen zu koordinieren und zu überwachen. Das ist allerdings ein schwieriges Unterfangen. Oft wechseln Waffen die Hände. Wenn sich die Frontlinien verschieben, gehen oft auch die Waffen der Verlierer an die Sieger. Der einstige Al-Kaida-Ableger Jabhat al-Nusra hat mehrmals amerikanisch ausgebildete Rebellen überwältigt und deren Ausrüstung konfisziert.

Dass im Süden Syriens die Nusra und ähnlich radikale Gruppen schwächer sind, geht unter anderem darauf zurück, dass dort die Aufständischen konstant und mit enger Koordination seitens des Nachbarlandes Jordanien von den Amerikanern unterstützt wurden. Im Norden, wo die Regimegegner via Türkei versorgt werden, sind Jihadisten stärker und die Waffenströme unkontrollierter. Weil so viele regionale Akteure in Syrien involviert sind, gelangen Waffen auf Umwegen an die Kriegsparteien – so etwa jene Schweizer Handgranaten, die wohl für die Vereinigten Arabischen Emirate bestimmt waren und plötzlich in den Händen syrischer Rebellen landeten.

Deutsche Gewehre werden an Kurden im Nordirak geliefert und tauchten auch in den Händen von verschiedenen Gruppen in Syrien auf. Für die Gewehre haben Iran wie auch Saudiarabien Lizenzen, welche im Konflikt gegnerische Seiten unterstützen. Iran hat laut einem Bericht der Uno Sanktionen verletzt, indem es Waffen exportierte, unter anderem nach Syrien. Iran schickt auch Kämpfer im grossen Stil nach Syrien.

Hauptlieferant für Rüstungsgüter an Damaskus ist Moskau. Laut einem Bericht der russischen Zeitung «Kommersant» vom März lohnt sich die kostspielige Intervention im syrischen Krieg für Russland: Der Krieg dient quasi als Schaukasten für russische Militärflugzeuge, Raketen oder Panzer, von denen manche in Syrien erstmals zum Einsatz kommen. Obwohl die Intervention laut Putin schon über 480 Millionen Dollar gekostet hat, wird mit einer Zunahme von Waffenhandelsabkommen mit anderen Ländern im Umfang von sechs bis sieben Milliarden Dollar gerechnet.