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Ehemaliger deutscher Bundespräsident

Walter Scheel ist tot

von NZZ Neue Zürcher Zeitung / 24.08.2016

Er war einer der Väter der sozialliberalen Ostpolitik – und wurde später als singender Bundespräsident in Deutschland äusserst populär. Nun ist der liberale Politiker Walter Scheel mit 97 Jahren gestorben.

(dpa) Der frühere deutsche Bundespräsident Walter Scheel ist am Mittwoch im Alter von 97 Jahren gestorben. Dies teilten ein Sprecher der Freien Demokratischen Partei (FDP) sowie das Bundespräsidialamt am Nachmittag mit. Zunächst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ vom Tod des ehemaligen Aussenministers und langjährigen FDP-Mitglieds berichtet. Er hatte seit Jahren in einem Pflegeheim in Bad Krozingen bei Freiburg gelebt.

Prägender Politiker

Scheel führte die Liberalen von 1968 bis 1974 auch als Parteichef. Von 1969 bis 1974 war Scheel Aussenminister und Vizekanzler in der Koalition von Sozialdemokraten und Liberalen unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Danach, von 1974 bis 1979, war Scheel Bundespräsident und damit viertes Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde als singender Bundespräsident („Hoch auf dem gelben Wagen“) äusserst populär.

In den vergangenen Jahren hatte sich Scheel, gesundheitlich angeschlagen und unter Demenz leidend, nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Ein Streit über seine Pflege machte zuletzt Schlagzeilen.

Partner in der Ostpolitik

Walter Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen als Sohn eines Wagners geboren. 1946 trat er in die FDP ein. Der gelernte Bankkaufmann und Wirtschaftsberater war fast 25 Jahre lang Abgeordneter. Er amtierte als Bundesminister unter den christdemokratischen Kanzlern Adenauer und Erhard sowie später unter Brandt. Unter Adenauer war er der erste Entwicklungshilfeminister der Republik.

An der Seite Brandts setzte Scheel die umstrittenen Ostverträge durch und vollzog eine Neuausrichtung der Ostpolitik. Annäherung war sein Ziel. Damals war diese neue Ostpolitik umstritten, heute wird sie als Grundstein angesehen für die Deutsche Einheit 1990. „Willy Brandt konnte nur deshalb das Land verändern, weil er mit Walter Scheel einen kongenialen Partner hatte“, sagt der heutige Aussenminister Frank-Walter Steinmeier.

Begnadeter Redner

In Erinnerung blieb Scheels ausgeprägtes Redetalent. Der Liberale mit dem markanten von Silberlöckchen umrahmten Kopf gab dem Amt des Bundespräsidenten rhetorischen Glanz und betonte gleichzeitig die Nähe zum Volk.