Was die Regionalstatistik über die Wirtschaft der EU aussagt

von Bernhard Schinwald / 23.05.2015

Ich finde diese Grafik besonders interessant, weil sie zeigt:

  • wie groß die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der einzelnen Mitgliedsländer sind.

Vor allem Großbritannien fällt in diesem Zusammenhang auf. Das Pro-Kopf-BIP von Inner London ist in der Spitze beinahe fünfmal so hoch wie jenes von West Wales. Abgesehen vom Südosten Englands (inkl. London) liegt der Rest des Königreichs unter dem EU-Schnitt.

Frankreichs Spanne wirkt auf den ersten Blick überraschend groß. Das liegt an den französischen Übersee-Gebieten. Die Insel Mayotte, die zwischen Madagaskar und dem afrikanischen Festland liegt, ist die ärmste Region der EU. Auf dem französischen Festland ist die Region Limousin mit 80 Prozent des EU-Schnitts am schwächsten.

Die Unterschiede in Belgien lassen sich an den beiden Landesteilen festmachen. Wallonien liegt mit seiner Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung bei 88 Prozent des EU-Schnitts, Flandern bei 121. Ähnliches gilt für Deutschland, wo weiterhin ein starkes Ost-West-Gefälle herrscht. Abgesehen von Berlin liegen alle Bundesländer der ehemaligen DDR unter dem EU-Schnitt. Alle vormals westdeutschen Bundesländer liegen darüber.

In Italien herrscht ein bemerkenswertes Nord-Süd-Gefälle. Das haben wir an anderer Stelle schon einmal genauer beschrieben.

  • wie sehr die Hauptstädte weiterhin die wirtschaftlichen Motoren ihrer Länder sind.

Nur in Deutschland, Italien und den Niederlanden sind die Hauptstädte nicht die leistungsfähigsten Regionen. Stärkste Region in Deutschland ist die Stadt Hamburg, in Italien Südtirol und in den Niederlanden die Provinz Groningen. Berlin liegt als einzige Hauptstadt in der EU sogar unter dem nationalen Durchschnitt.

  • dass London im Hauptstädte-Ranking vor Luxemburg, Brüssel, Bratislava, Stockholm, Paris und Prag führt.
  • dass es in der EU weiterhin ein eindeutiges Ost-West-Gefälle gibt.

Keiner der Mitgliedstaaten, die 2004, 2007 oder 2013 der EU beigetreten sind, liegt im nationalen Schnitt über dem EU-Schnitt. Innerhalb der „alten“ Mitglieder herrscht dafür ein Nord-Süd-Gefälle. Lediglich Portugal, Spanien, Italien und Griechenland sind unter dem Schnitt.

Auf einer Karte dargestellt, werden diese Unterschiede noch deutlicher. Dabei kann man auch Bekanntschaft mit der „Blauen Banane“ schließen.