Was seit dem Brexit passiert ist

von Nina Fargahi / 27.06.2016

Der Brexit hat Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – und dies weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus.

Die Stimmung in Großbritannien

Die Schotten drohen mit der Unabhängigkeit. Sie wollen bei den Scheidungsverhandlungen Londons mit Brüssel mitreden. Ein unabhängiges Schottland müsste ein Defizit von 10 Milliarden Pfund tragen, das wären nicht weniger als 9 Prozent seiner Wirtschaftsleistung.

Das britische EU-Referendum hat Gräben aufgerissen. Viele ältere Bürger und vor allem abgehängte Regionen in England und Wales stimmten für den Ausstieg.

Auch bei den Brexit-Befürworter herrscht Unsicherheit. Der sonst so selbstbewusst polternde Boris Johnson gab sich plötzlich kleinlaut und meinte, mit dem angeblich so sehnlichst erwarteten EU-Austritt habe es gar keine Eile.

Köpferollen

Der britische Premierminister David Cameron gab seinen Rücktritt bekannt. Kurz nach der Abstimmung kündigte er an, innert drei Monaten abzutreten. Der Regierungschef zieht damit die Konsequenzen aus dem EU-Referendum.

Labourführer Jeremy Corbyn feuerte einen seiner prominentesten Kritiker im Schattenkabinett. Hilary Benn, ein angesehener Politiker, war als Schattenaußenminister der ranghöchste Angehörige des gemässigten, sozialdemokratisch politisierenden Flügels in Corbyns Führungsteam. Er hatte Corbyn in einem Telefongespräch zum Rücktritt als Labourchef aufgefordert. Daraufhin wurde er entlassen.

Der britische EU-Finanzkommissar Jonathan Hill hat seinen Rücktritt erklärt. Nach dem Votum könne er als EU-Kommissar nicht einfach so weitermachen, als sei nichts geschehen, sagte er in Brüssel.

Wirtschaftliche Folgen

Am Tag des Brexit gingen die Börsen in Asien, Europa und auch in Amerika in die Knie. Einzelne Indizes, wie der Nikkei, der DAX, der Euro-Stoxx 50, der italienische MIB oder der spanische Ibex, gaben um 8% bis 12% nach.

Die BIZ ruft zu einem Paradigmawechsel auf. In einer Stellungnahme gab die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) an, der Brexit würde vorübergehend für erhöhte Unsicherheit sorgen.

Der Brexit reduziert die Attraktivität des Standortes London und des Absatzmarktes Großbritannien. Zum einen dürfte der starke Franken die Exportwirtschaft und den Tourismus vor größere Herausforderungen stellen. Zum anderen würde sich eine mögliche Rezession Großbritanniens negativ auf die Wirtschaftsbeziehungen mit der Schweiz auswirken.

Reaktionen innerhalb der EU

Irland dürfte mehr als alle anderen EU-Staaten vom Brexit betroffen werden. Die wirtschaftliche und kulturelle Verflechtung mit dem Nachbarn ist eng. Größte Sorge gilt der inneririschen Grenze.

Die Euroskeptiker preschen vor. Die Rechtspopulisten in Frankreich und den Niederlanden fordern neue Referenden. Auch in Österreich sind die EU-skeptischen Kräfte sehr stark.