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Buchmacher gegen Umfragen

Wetten, dass ein Brexit vielleicht nicht kommt!

von Gerald Hosp / 25.05.2016

Wie wird sich Großbritannien beim EU-Referendum entscheiden? Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, werden Umfragen und die Buchmacher herangezogen. Beide Methoden sind nicht ohne Tadel.

Wie hängt der Sieg des Fußballklubs Leicester City in der englischen Meisterschaft mit dem Brexit, dem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU, zusammen? Beides wurde und wird anhand der Quoten der Buchmacher für wenig wahrscheinlich gehalten.

Am ersten Tag der abgelaufenen Fußballsaison bot beispielsweise der Buchmacher Ladbrokes eine Quote von 5000 zu 1 für einen Sieg von Leicester an. Das beinahe Unmögliche passierte. Mit dem Einsatz von einem Pfund konnte ein Wagemutiger eine Auszahlung von 5000 Pfund einstreichen. William Hill, ein weiterer Buchmacher, änderte in der vergangenen Woche die Quote für einen Brexit von 10 zu 3 auf 7 zu 2, was den Rückgang der Wahrscheinlichkeit eines Austritts von 23 Prozent auf 22 Prozent bedeutet. Dies ist der niedrigste Wert, seitdem das Datum für das Referendum, der 23. Juni, bestätigt worden ist. Auch in den Umfragen scheinen die Brexit-Gegner Oberwasser zu bekommen. Wenn die letzten sechs Befragungen bis zum 19. Mai herangezogen werden, stimmen, laut der Website Whatukthinks.org, 56 Prozent für einen Verbleib in der EU, ohne die Unentschlossenen zu berücksichtigen. Dieser Wert war schon einmal geringer.

Die Meinungsforscher rätseln aber darüber, warum die Ergebnisse für Telefonumfragen und Online-Befragungen so unterschiedlich sind. Am Telefon tendieren die Leute eher dazu, gegen einen Brexit zu sein. Online scheinen die Lager ausgeglichener zu sein. Es wird gemutmaßt, dass Euroskeptiker sich mehr an Online-Umfragen beteiligen, um ihre Meinung kundzutun. Das Meinungsforschungsinstitut You.gov weist darauf hin, dass bei den Stichproben für Telefonbefragungen Personen mit einem höheren Bildungsstand übervertreten sind, die dazu neigen, gegen einen Brexit zu stimmen. In trockenen Tüchern ist noch nichts. Wenn wie bei den Wetten Geld im Spiel ist, sollte weniger das eigene Wunschdenken als eine nüchterne Betrachtung die Grundlage der Entscheidung sein. Beispiele wie Leicester City und die falsche Prognose für die letztjährige britische Parlamentswahl zeigen aber, dass man nicht immer auf Buchmacher setzen sollte.