Murad Sezer, Reuters

Wie lief die versuchte Entmachtung Erdogans ab?

von Stefan Schuster / 16.07.2016

Wie lief der Putsch ab? Was geschah wo in Istanbul und Ankara? Wer waren die Putschisten? Eine Übersicht.

■ Angehörige der Armee haben in der Türkei in der Nacht auf Samstag einen Putschversuch gegen die Regierung Erdogan unternommen.

■ Die Militärs erklärten, sie hätten die Kontrolle über die Türkei. In Istanbul und der Hauptstadt Ankara fallen Schüsse, es gibt Explosionen. Kampfjets fliegen im Tiefflug über Istanbul.

■ Nach Regierungsangaben starben 265 Personen, unter ihnen 104 Putschisten. 1563 Soldaten sind nach Militärangaben festgenommen worden. Offiziell wurden mehr als 1150 Verletzte gemeldet.

■ Am späten Samstagabend wurde aus der Türkei gemeldet, dass dort ein Putschversuch im Gange sei. Es hiess zunächst, die Streitkräfte hätten die Macht in der Türkei übernommen.

■ Kurz vor Mitternacht meldete sich Präsident Erdogan via Mobiltelefon im Sender CNN Türk und sprach vom Putschversuch einer Minderheit innerhalb des Militärs. Unter anderem in Ankara und in Istanbul gab es Kämpfe und schwere Explosionen.

■ Am Samstag kurz vor Mittag teilte der türkische Ministerpräsident Yildirim mit, die Lage sei vollständig unter Kontrolle. Nach seinen Angaben wurden bei dem Putschversuch 161 regierungstreue Sicherheitskräfte und weitere 104 Putschisten getötet.

■ In Istanbul fielen Schüsse, es kam zu Explosionen.

■ Auch in Ankara kam es zu Schiessereien, das Parlament wurde bei Luftangriffen der Putschisten stark beschädigt.

■ Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan befand sich zum Zeitpunkt des Putschversuchs in der südtürkischen Küstenstadt Marmaris.

Bereits am Abend fuhren in Istanbul vorübergehend Panzer auf, unter anderem an wichtigen Brücken wie der berühmten Bosporus-Brücke. Die Brücke verbindet in der Stadt Asien und Europa. Auch der Atatürk-Flughafen wurde blockiert. Kampfjets flogen im Tiefflug über den berühmten Taksim-Platz, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Versammlungsplatz. Über der Stadt kreisten Helikopter.

Bei Luftangriffen der Putschisten wurde das Parlament in Ankara stark beschädigt. Nach Medienberichten gab es Gefechte zwischen Polizei und Militär. Augenzeugen berichteten von Panzern in den Strassen der Hauptstadt. Präsident Erdogan rief das Volk über den Sender CNN Türk per live übertragenem Telefonanruf zu öffentlichen Versammlungen gegen den Putsch auf.

■ Die am Putschversuch beteiligten Streitkräfte hatten das erklärte Ziel, die Macht im Land zu übernehmen. Das Militär wollte nach eigenen Angaben unter anderem die verfassungsmässige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederherstellen.

■ Erdogan vermutet, dass nur eine Minderheit der Streitkräfte dahinter steckt, die Anhänger des im amerikanischen Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen sind. Gülen hat sich mit Erdogan überworfen und gilt in der Türkei als Terrorist.

■ Der neue Militärchef kündigte an, Anhänger der Gülen-Bewegung aus den Reihen der Armee zu entfernen. Gülen selbst hat sich jedoch vom Putsch distanziert.