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Was wurde aus ...

… Yanis Varoufakis

von Bernhard Schinwald / 26.12.2015

Die Griechenland-Krise hat die Schlagzeilen in der ersten Jahreshälfte dominiert und der Weltöffentlichkeit neuerlich vorgeführt, wie schnell die Grenzen der Regierbarkeit der Eurozone erreicht sein können. Yanis Varoufakis, der erste Finanzminister unter Ministerpräsident Alexis Tsipras, brachte es dabei mit seinem legeren Auftreten, seinen markanten Sprüchen und dem erkennbaren Ärger, den er mit ökonomischen Belehrungen im Kreise der Finanzminister-Kollegen provozierte, zu internationaler Berühmtheit. Nach der Einigung auf ein drittes Hilfspaket für Griechenland wurde es aber selbst seinem Chef zu bunt: Varoufakis musste sein Amt räumen.

Die Regierung unter Alexis Tsipras wurde seither neuerlich vom Volk bestätigt und hat bereits einige der geforderten Reformpakete verabschiedet, um im Gegenzug neue Kredittranchen seitens der Geldgeber zu erhalten. Auch der zu Beginn veranschlagte Umfang des Hilfspakets von 86 Milliarden Euro ist dank des geringeren Kapitalbedarfs der griechischen Banken auf 71 Milliarden Euro gesunken.

Über den Berg ist die Hellenische Republik deshalb noch lange nicht. Das Reform- und Hilfsprogramm liegt bereits nach vier Monaten ganze zwei Monate hinter dem Plan. Anstehende Reformen des Pensionssystems, die in der Regierungspartei nur auf wenig Gegenliebe stoßen, dürften neuerlich zur Zitterpartie für Tsipras werden, der nur mehr über eine hochdünne Mehrheit im Parlament verfügt.

Tsipras hofft unterdessen weiter auf eine Schuldenerleichterung durch die europäischen Partnerländer. Diese fordert weiterhin auch Varoufakis, der seine ökonomischen Vorträge nun in Hörsäle und Veranstaltungshallen in aller Welt verlegt hat und damit gutes Geld verdient (wogegen übrigens nichts zu sagen ist).