EPA/PAULO NOVAIS

Yanis Varoufakis darf das

Meinung / von Bernhard Schinwald / 29.10.2015

Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat für einen Talkshow-Auftritt in Italiens öffentlich-rechtlichem Fernsehsender RAI 24.000 Euro bekommen. Dass sich die Begeisterung darüber unter den italienischen Gebührenzahlern in Grenzen hält, ist nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar hingegen ist die Kritik an Varoufakis, der sich mittlerweile sogar veranlasst sah, eine Liste seiner Einkünfte durch Reden und öffentliche Auftritte auf seinem Blog zu veröffentlichen.

Wo liegt das Problem, wenn ein ehemaliger Politiker und nunmehriger Privatmann das Geld nimmt, das ihm für eine Leistung angeboten wird? Eigentlich unverständlich. Ebenso unverständlich wie die Tatsache, dass Varoufakis überhaupt auf diese Weise reagiert und seinen Kritikern nicht – nach eigenem Vorbild – den Finger entgegenstreckt.

Die Sache an sich wäre kaum der Rede wert, wäre sie nicht beispielhaft für eine antipolitische Kultur, die junge, kluge und ambitionierte Leute zunehmend abstößt. Kein Mensch, der halbwegs bei Verstand ist, entscheidet sich noch für die Politik, wenn ihm nach Amtsaustritt nicht einmal ein redliches Erwerbsleben vergönnt wird. Und: Jene Politiker, die heute Ämter bekleiden, werden sich in diesem Umfeld nur noch stärker an ihre Sessel klammern.

Wer diese Entwicklung mit selbstgerechten Unmutsrülpsern – à la „die da oben“ – fördert, darf künftig auch nicht mehr über die mangelnde Qualität des politischen Personals klagen.