Zum Euro drängt schon längst nicht mehr alles

von Bernhard Schinwald / 11.11.2014

Bis zum Jahr 2008 galt der Euro als Stabilitäts- und Wachstumsgarant, ehe die Finanzkrise seine Schwächen offenbarte. Erholt hat er sich davon bis heute nicht. Das zeigt sich auch in seiner schwindenden Attraktivität für neue Mitglieder.

Potenzielle Eurozonenkandidaten zeigen keine besondere Eile zur der Einführung der Gemeinschaftswährung. Dänemark und Schweden würden zwar die notwendigen Kriterien erfüllen. Beide Länder müssten dafür jedoch den Weg über Referenden gehen. Nach aktuellen Meinungsumfragen verfügen beide aktuell nicht über die entsprechende Mehrheit.

Länder, wie Ungarn, Tschechien oder Polen erfüllen die Beitrittskriterien aktuell nicht. Der Wille, das schnell zu ändern, ist jedoch weder in Budapest, Prag noch in Stockholm zu erkennen. Und auch hier ist die Bevölkerung noch nicht überzeugt: Eine Umfrage vom Oktober zeigt beispielsweise, dass mehr 76 Prozent der Polen die Einführung des Euro in absehbarer Zeit ablehnen.

Schwache Erholung, schwache Aussichten

Die mangelnde Attraktivität lässt sich anhand der wirtschaftlichen Zahlen nachvollziehen. Am 4. November präsentierte die Kommission die aktualisierten Prognosen für die mittelfristige wirtschaftliche Entwicklung der EU. Wie schon zuvor mussten frühere Prognosen nach unten korrigiert werden.

Die Kommission erklärt die verschlechterten Aussichten damit, dass die Eurozone von den geopolitischen Entwicklungen in der Ukraine und im Mittleren Osten stärker betroffen sei. Der Vergleich der wirtschaftlichen Erholung mit den USA und dem Rest der EU lässt jedoch keine Zweifel, dass die Probleme der Eurozone tiefer liegen.

Im Gegensatz zu den USA und den EU-Mitgliedern ohne Euro erlebte die Eurozone seit dem großen Crash 2008 eine weitere Rezession und erholt sich weiterhin schwächer. Das zeigen auch die Arbeitslosenzahlen.

Ökonomen weisen darauf hin, dass die Eurozone in ihrer Gesamtheit nur schwer mit den USA verglichen werden kann. Zu unterschiedlich seien die Entwicklungen der einzelnen Mitgliedsländer. Außerdem müsse bei einem Vergleich etwa mit den USA deren Vorteil durch die fallenden Energiepreise berücksichtigt werden.

Das alleine kann jedoch nicht über die strukturellen Probleme hinweg täuschen. Die zögerliche Umsetzung der Bankenunion, die unvollständige fiskale Integration und ausbleibende Reformen in einzelnen Mitgliedsstaaten fördern die Unterschiede innerhalb der Union eher, als dass sie dadurch beseitigt werden.

Skepsis gerechtfertigt

Optimistische Stimmen gehen zwar davon aus, dass die Eurozone wieder zu alter Stärke finden kann, wenn die Länder der Eurozone die eingeschlagenen Reformen weiterführen. Weniger optimistische Stimmen sehen jedoch ein Gefahrenspektrum, dass von einer Stagflation – einer Kombination aus Stagnation und Deflation, wie sie Japan seit 1990ern erlebt – bis hin zum Zusammenbruch des gesamten Währungsraums reicht, sollte er neuerlich einem Schock, wie jenem des Jahres 2008 ausgesetzt sein.

Die Zahlen der Kommission rechtfertigen auch die Skepsis der schwedischen, dänischen und polnischen Bevölkerung mit Blick auf die Euro-Einführung. Alle drei Länder liegen in den Aussichten für Wachstum und Arbeitslosigkeit über beziehungsweise unter dem entsprechenden Eurozonen-Schnitt.

Die einzige Ausnahme ist Litauen, das ab nächstem Jahr dem Euroklub angehören wird. Die litauische Regierung erhofft sich von der Gemeinschaftswährung jedoch eher Schutz vor Russland als einen Wachstumsschub.