Zeichnung: Peter Strasser

Morgengrauen

Absolut scheußliche Totalerleichterung

Gastkommentar / von Peter Strasser / 16.01.2016

„Am Ende ist dann Schluss“, singt Max Raabe, vor seinem Palast-Orchester stehend.

Dem Logiker – und ich kenne einige! – scheint an diesem Satz bemerkenswert nur, dass man über ihn trotzdem lacht. Denn, so der Logiker, dieser Satz sagt nichts aus. Gar nichts. Er ist leer, eine Tautologie. Das Ende bildet, zeitlich gesehen, notwendig den Schluss, und wenn erst Schluss ist, dann ist das Ende auch schon da. Nicht, dass hier irgendein Naturgesetz oder sonst eine kosmische Regel regierte, vielmehr, so der Logiker, bedeute beides, das Ende und der Schuss, eigentlich genau dasselbe.

Daran, an diese der Logik eigene Dummheit, musste ich heute denken, als ich, beim Ausstieg aus meinem Bett – mit Wirbelschmerz und dadurch verursachtem Kopfschmerz, der sich auf tückische Weise in den falschen Fuß, mit dem ich aufzustehen pflege, hineingezogen hat –, Raabes Schlagerweisheit repetierte: „Am Ende ist dann Schluss.“

Hoffend, vom Ende noch ein Stück weit entfernt zu sein, hatte ich, vom Scheitel bis zur Sohle, ein kompaktes Vorgefühl dafür, wie es sein muss, wenn am Ende Schluss ist. Absolut scheußlich und doch eine totale Erleichterung!

Dass dem Logiker dazu womöglich wieder nur einfällt, es handle sich bei meiner „absolut scheußlichen Totalerleichterung“ um eine Art contradictio in adiecto (oder so ähnlich), erfüllte mich mit gleichsam vollmenschlicher Genugtuung: Der Logiker ist ein Verstandesdepp; er wird nie wissen, wie sich das anfühlt, wenn am Ende Schluss ist.

 

Peter Strasser ist Professor für Rechtsphilosophie in Graz. Wie die meisten von uns steht er jeden Morgen auf. Anders als die meisten von uns schreibt er im und beschreibt er das Morgengrauen. Bücher schreibt er auch. Zum Beispiel: „Was ist Glück? Über das Gefühl lebendig zu sein“ und ganz aktuell „Die Welt als Schöpfung betrachtet. Eine stille Subversion“, beide im Wilhelm Fink Verlag erschienen.