Zeichnung: Peter Strasser

Morgengrauen

Am ewigblauen Strand von Malibu

Gastkommentar / von Peter Strasser / 21.11.2015

Morgengraue Erinnerung an die gute alte Zeit! Auch meine Kinder sind mit dem Jingle-Texter Charlie Harper und seiner Wohngemeinschaft im Haus am ewigblauen Strand von Malibu groß geworden. Wir haben zusammen gelacht bei den amourösen Abenteuern Charlies und seines tollpatschigen Bruders, der, ein Geizhals durch und durch, stets Schwierigkeiten hatte, „zum Stich zu kommen“.

Nun hat sich, wie ich heute aus der „People“-Ecke meiner Zeitung erfahre, Charlie im US-Morgen-TV geoutet. HIV-positiv. Aber war das noch Charlie, der da bekannt gab, er habe in der sogenannten Realität bereits zehn Millionen Dollar an Erpressungsgeldern an eine Prostituierte berappt?

Da saß zwar einer, der aussah wie der Charlie aus „Two and a Half Men“, doch er wirkte, als ob er sein eigener Wiedergänger wäre. Und war er’s denn nicht? Uns Fans deprimierte – jawohl, deprimierte – das Bild eines Mannes gleichen Namens aus dem Schattenreich jenseits des quirligen Erotik-Kunterbunts in den Wohlfühlkulissen von Charlies Haus.

Soll man, angesichts des weltweiten Terrors, Hungers, Klimawandels, gescheit tun und medienkritisch anmerken, dass sich die Realität heutzutage schwer tut, „real“ zu werden? Was mich betrifft, so finde ich derlei Fragen abgeschmackt. Denn es sind Ewigkeitsgestalten wie Charlie, Alan, Rose, Jake und Berta (ach, Berta!), die uns angesichts der HIV-News beim Frühstück Hoffnung geben:

Möge die Realität nur ein Schatten sein, hinter dem sich der ewigblaue Strand von Malibu endlos erstreckt!

 

Peter Strasser ist Professor für Rechtsphilosophie in Graz. Wie die meisten von uns steht er jeden Morgen auf. Anders als die meisten von uns schreibt er im und beschreibt er das Morgengrauen. Bücher schreibt er auch. Zum Beispiel: „Was ist Glück? Über das Gefühl lebendig zu sein“ und ganz aktuell „Die Welt als Schöpfung betrachtet. Eine stille Subversion“, beide im Wilhelm Fink Verlag erschienen.