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Dr. Strangelove

Angst – der Feind der Liebe

von Milosz Matuschek / 20.11.2015

Was ist eigentlich das Gegenteil von Liebe?

Ist das Gegenteil von Liebe die Abwesenheit von Liebe? Ist es Hass? Oder doch etwas ganz anderes? Hegel definierte die Liebe in seiner Rechtsphilosophie als „Bewusstsein meiner Einheit in einem anderen“. Erst bei dem anderen ist man erst so richtig bei sich. Braucht man also den anderen als Vervollständigung seiner selbst? Oder aber ist man im Idealfall vielmehr immer noch bei sich, obwohl man jemandem anderen ganz nah ist?

Aus letzterer Perspektive ist die Nähe des anderen ohne ein zeitlich vorrangiges Beisichsein nicht zu bekommen. Die Liebe füllt keinen Mangelzustand, sie ist nicht das Überbrückungskabel für die Distanz zu sich selbst. Sie ist Entlohnung für Stimmigkeit mit sich selbst. Diese Stimmigkeit verstärkt sie, ohne sie in Frage zu stellen oder zu verändern.

Damit ist nicht der Hass der direkte Gegenspieler der Liebe, sondern die Angst. Angst ist antizipierte Distanz, eine simulierte Entfernung, die Vorstufe des Verlusts der Stimmigkeit mit sich selbst, die man ausschließlich der Liebe zu verdanken scheint. Der mit sich stimmige Mensch hat keine Angst vor dem Verlust, da dieser ihm nichts anhaben kann.

Roland Barthes ging noch einen Schritt weiter: Er setzt die Angst bereits mit dem eingetretenen Zusammenbruch gleich („primitive Agony“). Die Angst des Liebenden ist „die Furcht vor einer Trauer, die bereits stattgefunden hat (…) Jemand müsste mir sagen können: Haben Sie keine Angst mehr, Sie haben ihn (sie) bereits verloren.“

Oder anders: Liebe ist nichts für Angsthasen.