Auspeitschung und Todesstrafe – der legale Islam

von Yvonne Widler / 30.01.2015

Kürzlich war Jan Assmann im Ö1 Kulturjournal zum Thema Religionen und Gewalt zu Gast. Die Frage, welchen Zusammenhang es zwischen Religion und Gewalt gibt, beschäftigt den Religionswissenschaftler schon seit Jahrzehnten. Es handle sich bei den aktuellen Vorfällen um eine besondere Gewalt, eine Gewalt im Namen Gottes, eine Art heilige Verpflichtung. Die gebe es erst, seit Religion zu einer Achse des Vertrauens und der Treue wurde – und sich weg von einer natürlichen Evidenz bewegte.

Das Ziel des Terrorismus sei die Destabilisierung von Systemen. Nun gehe es darum, den Westen zu destabilisieren: Maskiert unter einer religiösen Motivation, tatsächlich sei es aber eine politische. „Der IS ist eine Travestie“, so Assmann. Junge Muslime würden durch Ideologie radikalisiert, nicht durch Religion. Ihnen werde die Chance gegeben, sich für eine scheinbar gute Sache zu engagieren, auch soziale Umstände seien hierfür verantwortlich. „Das Schlimmste, was uns passieren könnte, ist, wenn sich unsere liberale und zivile Ordnung aus Angst verändert.“ So wie sich Amerika verändert habe.

Assmann sieht Satire als eine Waffe der Machtlosen gegen die Mächtigen, nicht umgekehrt. Beleidigungen findet er unschön, er würde keine Islam-Satire publizieren. Aber natürlich müsse man dem Fundamentalismus mit Kritik begegnen. Was uns empört sei aber nicht nur der Terrorismus, sondern auch der ganz offizielle Islam: Auspeitschung, Todesstrafe, die Rechte der Frauen mit Füßen zu treten, der Umgang mit Dissidenten – dieser Islam übe seine Macht nämlich legal aus.