Der Religionsunterricht in der Krise

von Yvonne Widler / 23.01.2015

Der Ethikunterricht wird in Österreich seit 15 Jahren als Schulversuch geführt. Jetzt soll sich wieder etwas tun.

Der komplett ausgebuchte Elise-Richter-Saal der Hauptuniversität Wien war kürzlich Schauplatz des öffentlichen Forschungsgesprächs der Fakultäten für Philosophie und Bildungswissenschaften, der evangelisch-theologischen, der katholisch-theologischen und des Instituts für Islamische Studien. Auch Religionspädagogen haben mitdiskutiert. Doch worum ging es konkret? Bei der Veranstaltung sollte der Diskurs darüber, wie wir mit Religions- und Ethikunterricht an öffentlichen Schulen umgehen, wieder angetrieben werden.

Nachberichte von Diskussionen sind langweilig, deshalb finden Sie hier die besten Zitate der Veranstaltung.

„Die Gegenwart des islamischen Religionsunterrichts ist nicht zukunftsfähig.“ vonEdnan Aslan (Islamische Studien, Wien)

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Schelkshorn, Hartmann und Aslan.

„Es geht auch um das Verhältnis von Philosophie und Religion. Dieses ist in der europäischen Geschichte in einer unglaublich komplexen Weise miteinander verzahnt. Philosophie kann sich nicht ohne Christentum verstehen und umgekehrt auch nicht. Beides ist wichtig im schulischen Bereich.“ vonHans Schelkshorn (Christliche Philosophie, Wien)

„Ist religiöse Bildung gleichbedeutend mit der Bildung, die Religionen vermitteln können? Religionsunterricht sollte Wissenschaftselemente und Elemente aus anderen Religionen vermitteln.“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

„Der Religionsunterricht hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Wir müssen auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren. Wir treffen Schüler und Lehrer mit unterschiedlichen Weltanschauungen und Überzeugungen, die bleiben nicht vor dem Schultor stehen. Schulen mit religiöser Monokultur gibt es fast nicht mehr.“ vonAndrea Lehner-Hartmann (Katholische Religionspädagogik, Wien)

„Islamische Religion kann man ohne Philosophie nicht verstehen. Wer Aristoteles nicht versteht, kann islamische Theologie nicht verstehen. Der Koran ist ein abgeschlossenes Buch, durch Philosophie erst findet man die Weisheit darin.“ vonEdnan Aslan (Islamische Studien, Wien)

„Ich halte nichts davon, die Geschichte zurechtzufrisieren. Das hat noch nie funktioniert.“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

„Wir müssen uns fragen, was es heißt, im säkularen europäischen Kontext Muslim zu sein. Was ist der Muslim hier? Das ist nicht gelöst.“ vonEdnan Aslan (Islamische Studien, Wien)

„Wenn ich junge Menschen nach Kain und Abel frage und in ratlose Gesichter blicke, muss doch etwas schiefgegangen sein im Religionsunterricht.“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

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Konrad Paul Liessmann

„In der Geschichte sehen wir verheerende Gottlosigkeit und verheerende Gottgläubigkeit.“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

„Die Jugendlichen melden sich doch scharenweise vom Religionsunterricht ab, um Zigaretten rauchen zu gehen.“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

„Wenn Philosophieunterricht gegen eine Rauchpause antreten müsste, würde es nicht viel anders aussehen.“ vonHans Schelkshorn (Christliche Philosophie, Wien)

„Ethik wird als Religion für Nichtreligiöse abgetan.“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

„Wo ist jetzt das Problem? Warum genügt unsere Religionsfreiheit nicht? Was wollen wir denn dann?“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

„Es gibt Wertefragen, die von Religion unabhängig sind.“ vonHenning Schluß (Bildungswissenschaft, Wien)

„Philosophie ist keine Variante von Religion. Sie versteht sich als etwas anderes. Ich spreche mich ja nicht gegen den Religionsunterricht aus und ich habe nicht gesagt, dass er nicht bildet, aber er bildet anders.“ vonKonrad Paul Liessmann (Institut für Philosophie)

Wir bleiben selbstverständlich am Thema dran.