Morgengrauen

Die Lebenslust des Zulukaffers

Gastkommentar / von Peter Strasser / 29.02.2016

Wieder im Morgenbus. Heute chauffiert uns einer, der etwas gegen Zulukaffer hat. Wir sind nur wenige Fahrgäste, daher dringt die Stentorstimme des Buslenkers bis nach hinten, in die letzte Sitzreihe, wo ich gleich neben der Tür Posten bezogen habe. Gerade donnert er einen Zulukaffer an, der sich in seinem Gefährt vor dem Bus irgendwie nicht richtig bewegt – zu langsam? zu wenig seitlich? unzumutbar im unbeweglich fließenden Morgenverkehr? –: Er solle sich gefälligst „verzulukaffern“.

Und was dann folgt, ist die reinste Nervenzusammenbruchsglossolalie, welche uns alle im Bus die Ohren bis über den Scheitel spitzen lässt (das gilt auch für die mitfahrenden Damen): Der „Kaffer“ solle sich in sein „verkafftes Kaff verzulukaffern“.

Irgendwer im Bus piepst frageweise: „Verkafft oder verkifft?“, wird aber vom Buslenker, einem Koloss, dessen Nacken sich drohend ins Businnere zu drehen beginnt, zum sofortigen Schweigen verhalten. „Welcher Zulukaffer war das?!“, brüllt er mit einer Stimme, die ich keinem Zulukaffer wünschen würde. Ich habe im Übrigen nicht die geringste Ahnung, wer oder was ein „Zulukaffer“ ist, habe jedoch den Eindruck, dass an diesem Ausdruck etwas politisch nicht unbedenklich sein könnte. Da juckt’s mich und ich sage: „Ich.“ Und der Koloss hält den Bus an, der ohnehin nur ruckelnd auf der Stelle vor sich hin stinkt, lässt die Tür neben mir aufrumpeln und schreit: „Raus!“ Mach ich, und fühle mich glattweg lebenslustig. Schließlich war ich noch nie ein Zulukaffer.

 

Peter Strasser ist Professor für Rechtsphilosophie in Graz. Wie die meisten von uns steht er jeden Morgen auf. Anders als die meisten von uns schreibt er im und beschreibt er das Morgengrauen. Bücher schreibt er auch. Zum Beispiel: „Was ist Glück? Über das Gefühl lebendig zu sein“ und ganz aktuell „Die Welt als Schöpfung betrachtet. Eine stille Subversion“, beide im Wilhelm Fink Verlag erschienen.