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Nachruf

Er nannte sich Prince und war ein Star

von Ueli Bernays / 22.04.2016

Prince, der phänomenale amerikanische Popstar, ist tot. Der bravouröse Sänger, Instrumentalist und Songwriter starb 57-jährig nach einer Grippe.

Prince – neben Madonna und Michael Jackson einer der stilbildenden Stars der achtziger Jahre –, aber überdies einer der größten Musiker, seit man von Popmusik spricht. In den neunziger Jahren aber, als wollte er sich aus seinem Pop-Image und fremden Projektionen davonstehlen, trennte sich Prince Rogers Nelson, geboren 1958 in Minneapolis, vorübergehend von seinem Namen. Es ging ihm eigentlich darum, Distanz zu gewinnen zu seinem Label Warner und den damit verbundenen vertraglichen Verpflichtungen.

Jetzt aber, da der geniale Pop-Pionier so früh und so unerwartet gestorben ist, scheinen Chiffren wie The Artist (Formerly Known As Prince) oder das grafisch an das Feminin-Zeichen angelehnte The Sign als passende, schillernde, seltsam aktuelle Symbole für dieses Talent, das sich kaum fassen lässt. Denn es hat sich in unzähligen und oft kontrastierenden Facetten manifestiert. Wovon soll man als Erstes sprechen bei so viel Bravour? Vom geschmeidigen Gesang, der sich zwar oft in lodernde Sinnlichkeit steigerte, aber auch ruhig und bestimmt den Refrain vorgeben konnte. Oder vom Gitarrenspiel, das, an Hendrix angelehnt, diesen Freak noch überbieten wollte in Expressivität und Virtuosität. Oder war Prince zuerst und vor allem ein genialer Songwriter, dessen schiere Schaffenskraft letztlich auch die eingefleischten Fans überforderte – wer kennt schon alle öffentlichen Titel; von den Apokryphen ganz zu schweigen?

Sohn eines dilettierenden Pianisten und einer Jazzsängerin, spielte Prince schon früh diverse Instrumente – Gitarre, Bass, Schlagzeug, Piano. Und wenn er später seine Alben produzierte, als singuläres Genie im Studio, dann konnte er fast alle Instrumentalstimmen selber einspielen. Und im Wissen um ihre Funktion verstand er es wie wenige, die einzelnen Register schon in der Vorstellung zu bündeln und aufs Maximum zu reduzieren.

So sind die funkige Prägnanz und die klangliche Transparenz eines seiner künstlerischen Markenzeichen. Und doch konnte The Artist, das ist typisch für seine Musikalität, eben auch ganz anders. Wie in keiner anderen popmusikalischen Karriere sind bei Prince die Kunst des klaren Konzepts, der haargenauen Beats kontrastiert mit Chaos, Feuer und Ekstase.

Davon handelt nicht nur das Album „Chaos And Disorder“ von 1996, sondern auch wegweisende Werke der achtziger Jahre. Mit „For You“ (1978) und „Prince“ (1979) holte Prince Anlauf, um mit Alben wie „1999“ (1982), „Purple Rain“ (1984) und „Sign O’ The Times“ seine Musik als Vermengung und Potenzierung sämtlicher Spielarten der Black Music zu definieren: von Blues bis R’n’B, von Jazz über Funk zum Rock. Hat Prince selber einen Stil definiert? Mehr als das – aber auch weniger. Indem er die Verquickung aller möglichen Klänge und Rhythmen vorführte, hat er sozusagen die Pop-Moderne erfunden.

Man muss ihn im Konzert gesehen haben. Zuweilen markierte er stundenlang kühl den souveränen Star oder den virtuosen Musiker. In den legendären Momenten aber – etwa an den legendären After-Partys – setzte er, begleitet von potenten Funk-Bands wie The Revolution oder The New Power Generation, auf Traditionen, um sie in eine wilde Gegenwart zu reiten. Singend, schreiend, heulend feierte er scheinbar vokale Expressivität. Oder höhnte er über Liebe, Sex und Ekstase? Oft schien es, als übersteigerte dieser Übermensch des Pop menschliche Gefühle in der Parodie, witzig und hitzig zugleich. Am Donnerstag erlag Prince 57-jährig den Folgen einer Grippe.