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Franziskus VS. Trump

Für Trump, gegen den Papst

Meinung / von Michael Fleischhacker / 19.02.2016

Zwischen dem Heiligen Vater und Donald Trump hat sich dieser Tage eine interessante Fernkonversation ereignet. Papst Franziskus nahm zunächst bei seinem Besuch in der mexikanisch-amerikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez eine Art vorsorgliche Exkommunikation des möglichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten vor, der für eine noch strengere Kontrolle der Südgrenze der USA eintritt: „Eine Person, die daran denkt, Mauern statt Brücken zu bauen, ist nicht christlich“, erklärte der Argentinier, „das ist nicht das Evangelium.“


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Donald Trump hinwiederum fand die Aussagen des Papstes, der auf dem Rückflug beteuerte, er habe sich mit seiner Invektive gegen Trump nicht in den amerikanischen Wahlkampf einmischen wollen, „schändlich“, und ein Berater Trumps wies darauf hin, dass der Vatikan vollständig von Mauern umgeben sei. In den sozialen Medien gab es solche, die das für eine hervorragende Antwort hielten und solche, die eher meinten, man solle die Trump-Witzbolde darauf hinweisen, dass das nun mal so gewesen sei in mittelalterlichen Städten.

Nun ja. Ich selbst würde mich, hätte ich die Wahl zwischen Donald Trump und Papst Franziskus, eher für den Amerikaner entscheiden. Nicht unbedingt wegen des Umstandes, dass der Vatikan von einer Mauer umgeben ist, sondern weil mir der Herz-Jesu-Populist immer dann besonders auf die Nerven geht, wenn er meint, politisch werden zu müssen oder, noch schlimmer, ökonomisch. Davon versteht der gute Mann einfach nichts, wie er bereits mehrfach in schriftlicher Form dokumentiert hat.

Außerdem: Gilt eigentlich das, was Franziskus über die Mauer zwischen den USA und Mexiko gesagt hat, auch für das Türl mit Seitenteilen, das derzeit in dreizehnfacher Ausführung zwischen Österreich und Slowenien bzw. Italien geplant wird? Der ehemalige Kirchenaustrittsaktivist Werner Faymann wird die damit verbundene Exkommunikationsdrohung mit Fassung tragen, aber der Innenministerin, die in Erwin Prölls Sakristei sozialisiert wurde, bricht der Papst damit wahrscheinlich das Herz.

Es gibt übrigens auch zwei ernste Gründe dafür, die Angriffe des Papstes auf Donald Trump für ziemlich deplatziert zu halten: Erstens sollte sich das Staatsoberhaupt eines Gottesstaates mangels Kompetenz prinzipiell nicht in demokratische Wahlauseinandersetzungen einmischen. Und zweitens grenzt das, was Franziskus über Flüchtlinge sagt, angesichts der Tatsache, dass die kirchlichen Einrichtungen in vielen europäischen Staaten beschämend weit unter ihren Möglichkeiten der Unterstützung bleiben, fast schon an Heuchelei.


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