Morgengrauen

Grunzgrunzgrunzig

Gastkommentar / von Peter Strasser / 28.07.2016

In der Nacht schreckte ich hoch, mir war, als hätte ich Grunzlaute gehört, direkt aus dem Höllenpfuhl. Und nun, da ich hellwach bin, fällt mir der Gesinnungsschnüffler ein, der mir seit längerem an den Fersen klebt, sozusagen.

Da sich in unseren denkwürdigen Tagen ein politischer Höllenmob formiert hat, der sich einen „kleinen Hitler“ wünscht, hat auch der Gesinnungsschnüffler Hochsaison. Er schnüffelt nach den Trüffeln des Teufels. Und so einen Schnüffler habe ich an den Fersen kleben, er schnüffelt an meinen Sätzen, die ich gerade geschrieben habe, an den Orten, wo ich zurzeit publiziere, an den Verbindungen, die ich aktuell pflege – und natürlich habe ich auch eine beschnüffelbare Vergangenheit. Und immer findet er irgendwo einen kleinen kostbaren Trüffel, zwar nicht akkurat bei mir, indes tauchen um zwei, drei Ecken meines Lebens garantiert Gesinnungen auf, die „verdächtig“ sind.

Heute schickte mir der Gesinnungsschnüffler tiefnachts, via SMS, seine typische Gesinnungsschnüfflerfrage, die mich weckte, weil mein Handy neben meinem Bett ein, wie mir schien, grunzendes Höllengeräusch von sich gab. Jetzt, morgens, während meine Enkeltöchter E. und H. gerade Schweinchenstall spielen und mich ihr „Grunzgrunzgrunz …“ entzückt, beantworte ich die gesimste Schnüffelfrage nach meiner Gesinnung. Ich tippe das Wort „Grunzig!“ in mein Handy, dann knutsche ich E. und H. ab, die nicht recht wissen, ob ich grunzgrunzgrunzig genug bin, um beim Schweinchenstallspiel mitspielen zu dürfen.

 

Peter Strasser ist Professor für Rechtsphilosophie in Graz. Wie die meisten von uns steht er jeden Morgen auf. Anders als die meisten von uns schreibt er im und beschreibt er das Morgengrauen. Bücher schreibt er auch. Zwei neue erschienen dieser Tage: „Achtung Achtsamkeit!“ (Braumüller Verlag) sowie „Von Göttern und Zombies: Die Sehnsucht nach Lebendigkeit“ (Wilhelm Fink Verlag).