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Deutschland

„Gutmensch“ ist das Unwort des Jahres

von Katja Baigger / 12.01.2016

Das „Unwort des Jahres 2015“ in Deutschland heißt „Gutmensch“.

Die sprachkritische Aktion in Deutschland hat das Wort „Gutmensch“ zum Unwort des Jahres 2015 bestimmt. Dieses sei zwar bereits seit langem im Gebrauch und 2011 auch schon einmal von der Jury als ein zweites Unwort gewählt worden.

Doch sei es im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema im letzten Jahr besonders aufgefallen, heißt es in dem Kommuniqué vom Dienstag. Als „Gutmenschen“ wurden 2015 demnach insbesondere auch jene beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen. Mit dem Vorwurf „Gutmensch“, „Gutbürger“ oder „Gutmenschentum“ werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert, gab die Sprecherin der „Unwort“-Jury, die Sprachwissenschafterin Nina Janich bekannt.

Im gleichen Zusammenhang seien auch die ebenfalls eingesandten Wörter „Gesinnungsterror“ und „Empörungs-Industrie“ zu kritisieren.

1.644 Einsendungen

1.644 Einsendungen waren eingegangen, mehr als in den Jahren 2014 (1.246) und 2013 (1.340). Zum „Unwort des Jahres 2014“ war „Lügenpresse“ gewählt worden, 2013 lautete es „Sozialtourismus“, 2012 „Opfer-Abo“. Die „Unwort“-Aktion gibt es seit 1991. Damit ist „Gutmensch“ das 25. „Unwort“.

Außerdem wurden die Worte „Hausaufgaben“ (im Zusammenhang mit Griechenland) und „Verschwulung“ gerügt.

Neben dem „Unwort des Jahres“ gibt es auch das „Wort des Jahres“. Dieser Begriff wird unabhängig von der sprachkritischen Jury mit ihrer Sprecherin in Darmstadt von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden gewählt. Für 2015 entschied sie sich für den Begriff „Flüchtlinge“. Diese Bezeichnung sei im deutschen Wortschatz stark verankert, hieß es zur Begründung. Das Wort „Flüchtlinge“ bringe die zentrale gesellschaftliche Diskussion auf den Punkt.

„Asylchaos“ in der Schweiz

Das vor gut einem Monat bekannt gegebene Schweizer „Unwort des Jahres“ steht ebenfalls in Bezug zur Flüchtlingskrise: Es lautet „Asylchaos“. Zum Unwort wurde es laut Jury gekürt, weil damit im Wahlkampf gezielt Angst geschürt worden sei, obwohl die Flüchtlingswelle 2015 die Schweiz nur mittelbar betraf.

„Besondere bauliche Maßnahmen“ in Österreich

In Österreich wurde der Euphemismus für den Grenzzaun (die „besondere bauliche Maßnahmen“) zum „Unwort des Jahres“ 2015 gewählt.

Und wie der Grenzzaun sonst noch bezeichnet wurde
Ein situationselastisches Türl