flickr / Metropolico.org

Ideen zur Klimakonferenz

Klimaschonend essen: Das Wissen fehlt

von Marco Metzler / 29.11.2015

Unsere Nahrung belastet das Klima. Geht es aber ums Fleisch, fehlt vielen der Wille, ökologischer einzukaufen. Ein neues Label könnte helfen.

Feierabend. Nur noch schnell im Supermarkt einkaufen. Doch man ist nicht allein. Es ist eng. Die Schlangen vor den Kassen wachsen. Der Stress auch. Selbst wer bei Früchten und Gemüse normalerweise Wert darauf legt, dass sie aus der Region stammen und Saison haben, denkt in solchen Situationen kaum mehr an die Umwelt. Doch ob man zum Rindsfilet greift (ein Kilo verursacht über 15 kg CO2) oder zu Kartoffeln (pro Kilo sind es 0,1 kg CO2), macht einen großen Unterschied. Ist jemand beim Einkaufen gestresst, wählt er Esswaren, deren CO2-Bilanz um bis zu 80 Prozent höher liegt als normalerweise.

Das ist ein Resultat eines für die Schweizer Bevölkerung repräsentativen Online-Experiments, das das verhaltensökonomische Beratungsbüro Fehr Advice mit 1.584 Personen durchgeführt hat. Unterstützt wurde die Studie vom Bundesamt für Umwelt. Ernährung ist laut dem Amt für 28 Prozent der gesamten Umweltbelastung verantwortlich – und liegt damit noch vor Wohnen und Verkehr.

Bewusstsein ist vorhanden

Die noch nicht publizierte Studie hat gemessen, wie gut sich die Schweizer der ökologischen Folgen ihres Speiseplans bewusst sind, und ob sie bereit sind, ihr Verhalten zu ändern. Dafür fällten die Befragten im Online-Experiment konkrete Einkaufsentscheide. Das Ergebnis zeigt, dass in der Bevölkerung durchaus ein Bewusstsein für die Umweltfolgen der Ernährung vorhanden ist.

Die Bereitschaft, tatsächlich sein Verhalten zu ändern, ist im Gegensatz dazu aber deutlich tiefer. Und noch geringer, wenn es um Fleisch geht, dessen Erzeugung das Klima am stärksten belastet. Nur wenige wollen kleinere Portionen essen. Am ehesten wären die Befragten bereit, einen Tag pro Woche auf Fleisch zu verzichten. Die sozialen Normen rund ums Fleisch seien nur schwer zu ändern, schreiben die Autoren.


Credits: flickr / bertknot

Insgesamt wollen sich aber viele Schweizer gerne ökologischer ernähren. Doch das Experiment zeigt auch, dass es dafür oft am nötigen Wissen mangelt. Die Konsumenten können die von ihnen verursachte Umweltbelastung nicht einschätzen: Nur zehn Prozent der Befragten gaben die Saisonalität von mindestens neun aus zehn Produkten korrekt an.

Ein Drittel ordnete nur die Hälfte der Produkte richtig zu. Besonders unterschätzt werden die negativen Folgen von tierischen Produkten. Auch der Label-Dschungel hilft nicht weiter: Kunden zeigen nur eine kleine Bereitschaft, Labels zu berücksichtigen. Je tiefer das Wissen des Einzelnen sei, desto höher der CO2-Ausstoss beim Einkaufen. Bei Stress kauften sogar Menschen mit viel Wissen weniger ökologisch ein.

Um Abhilfe zu schaffen, schlagen die Studienautoren verschiedene einfache Entscheidungshilfen vor, die Konsumenten unterstützen, ihre Ziele besser zu erreichen. Einerseits brauche es dafür Bildung, die bereits im Kleinkindalter beginnen müsse. Für die kurze Frist setzten die Autoren darauf, den Menschen mit verhaltensökonomischen Instrumenten zum gewollten Verhalten zu stupsen. Für Esswaren schlagen sie etwa eine flächendeckende Einführung eines einfachen Meta-Labels „Ich bin gut für die Umwelt“ vor. Dies soll die Entscheidung im Laden vereinfachen und bestehende Labels ergänzen.

Anreize für Kunden schaffen

Weiter brauche es einfache Faustregeln für den Einkauf, die konkrete Anweisungen bezüglich Regionalität und Saisonalität geben. Idealerweise führe man diese per Kampagne ein und erinnere die Kunden beim Betreten eines Ladens an die Tipps. Mittels Anreizen wie Punkten oder Gutscheinen könne umweltschonendes Einkaufen zusätzlich belohnt werden. So lasse sich etwa der Verkauf weniger beliebter Stücke von Tieren fördern.

Zusätzlich brauche es Maßnahmen, damit nicht mehr wie heute ein Drittel aller Nahrungsmittel fortgeworfen wird. Um die negative Wirkung von Stress beim Einkauf zu reduzieren, könne man vermehrt online von zu Hause einkaufen. Bei all den Maßnahmen solle aber verhindert werden, dass sich die Kunden bevormundet fühlten, weil man sonst genau die gegenteilige Wirkung erreiche. Der Kunde will die freie Wahl haben.

Konsumenten empfinden es zudem als unfair, wenn die ganze Verantwortung allein auf ihnen lastet, so die Autoren. Es brauche die Beteiligung von Detailhandel, Kantinen und Restaurants. Vor zehn Tagen luden die Studienautoren Vertreter von Migros, Coop oder Nestlé zu einem Workshop ein. Als Nächstes wolle man gemeinsam Faustregeln für den Einkauf erarbeiten.